Mantus
Ein Requiem zur Wiederauferstehung
Orkus: Wenn ich persönlich ein Comeback in unserer Szene überhaupt nicht erwartet hätte, dann wäre es - nach euren eigenen Statements bei Beendigung der ersten Schaffensphase - das von Mantus gewesen! Martin Schindler: Vor Beginn des Jahres 2008 hätte ich selbst damit auch nicht unbedingt gerechnet In Sachen Songwriting bin ich generell ziemlich aktiv, und über die Jahre habe ich immer wieder mit Arrangements experimentiert, die einfach nicht zu unseren anderen Projekten passen wollten. Deshalb habe ich sie erst einmal beiseitegeschoben und mich mit anderen Dingen beschäftigt Irgendwann wurde mir aber klar, dass diese Art, Musik zu komponieren, ganz tief in mir ist und ich es nicht einfach ignorieren kann. In die Gefühlswelten von Mantus einzutauchen, ist für mich eine Art "Wiedernachhausekommen". Diese Mischung aus Düsternis und Romantik liegt in meinem Charakter, und mit Mantus kann ich es ausleben. O: Wer von euch beiden war der treibende Part bei der Idee, mit Mantus wieder zu beginnen? MS: Schwer zu sagen. Wir hatten beide Anteil daran. Tina Schindler: Mantus war immer mein Baby, denn mit Mantus hat alles begonnen. Deshalb hatte dieses Projekt auch immer einen ganz speziellen Platz in meinem Herzen und war für mich irgendwie die ganze Zeit über präsent. In den letzten Monaten des Jahres 2007 hatte ich mit Martin verstärkt auch wieder über Mantus gesprochen und über die Bedeutung, die das Projekt immer für mich hatte. Wir haben wohl beide gemerkt, dass diese Art Musik einfach in uns ist und so haben wir Anfang 2008 gemeinsam beschlossen, Mantus wiederauferstehen zu lassen. O: Gab es bei euch selbst auch Bedenken gegen die Wiederbelebung des Projektes? MS: Die Bedenken waren bei mir schon sehr stark, einfach deshalb, weil wir dieses Projekt einmal aufgelöst hatten und man als Musiker nicht unglaubwürdig erscheinen möchte. Deshalb kann ich auch nur noch mal betonen, dass es rein emotionale und persönliche Gründe sind, weshalb es Mantus wieder gibt TS: Ich denke, dass es nicht falsch ist seinem Herzen zu folgen und als Künstler das ausdrücken zu wollen, was in einem ist, auch wenn man sich dessen vielleicht eine Zeit lang nicht bewusst war. O: Wie steht ihr denn generell Comebacks von einmal zu Grabe getragenen Bands gegenüber? Oft genug geht das ja auch schief. MS: Ich selbst bin auch oft erst einmal vorsichtig, wenn ich von Comebacks höre. Allerdings kommt es natürlich darauf an, warum sich eine Band aufgelöst hat und warum sie nun wieder zueinanderfindet. Momentan befinden wir uns in einer Zeit wo sich fast wöchentlich, so meint man, eine früher etablierte Band wieder neu formiert - und künstlerisch gesehen, muss man ja sagen, dass es eigentlich ein Zeichen dafür ist dass sich die Musikszene ziemlich im Kreis dreht beziehungsweise es momentan nichts wirklich Neues mehr gibt Diese Bands haben dann trotzdem ihre Berechtigung, weil die Leute die Musik einfach hören wollen. Mantus würde ich aber nicht unbedingt dazuzählen, denn die Zeitspanne unserer Abwesenheit kann auch einfach als längere Pause angesehen werden. O: Bedeutet die Reaktivierung von Mantus das Aus für Sepia? MS: Nein; wir haben nun drei Projekte, mit denen wir aktiv sind, und es soll schon mit allen weitergehen. Die Prioritäten werden sich durch Mantus wieder etwas verschieben, einfach weil Mantus der Ursprung und die Basis unserer musikalischen Laufbahn war und ist und deshalb eine besondere Stellung einnimmt O: Habt ihr Mantus mit seinem wenngleich individuellen, aber doch klassischen Gothic-Stil auch als Gegenpart zu den neuen musikalischen Moden in unserer Szene, wie Visual Kei oder Future Pop, wieder neu etabliert? MS: Da ist schon etwas Wahres dran, auch wenn das aus unserer Position natürlich eher unbewusst geschieht. Die Szene hat sich über die Jahre auch dahingehend verändert dass sie sich dem Zeitgeist anpasst oder reaktionär darauf reagiert. Gerade unsere Szene sollte gegen die Einflussnahme der Moderne, der Industrie und des Konsums resistent sein, aber das ist sie nicht Und das soll nicht bedeuten, dass die vielen neuen Einflüsse in der Musik schlecht wären. Es ist nur so, dass einige sich stark vom Gothic mit allem, was dahintersteht entfernt haben, und nur wenige noch die ursprünglichen Werte und Ideen leben. Für mich persönlich ist ein gutes Indiz dafür, ob Szene-Musik überhaupt noch düster und melancholisch daherkommt und oft tut sie es nicht weil Tanzbarkeit und Klischee im Vordergrund stehen. Mit Mantus setzen wir uns schon sehr von aktuellen Einflüssen ab und stellen grundlegende atmosphärische Themen in den Vordergrund. O: Ein „Requiem" ist ja eine Art Begräbnismesse, ein Gedenken an Tote. Warum ist das trotzdem der richtige Titel für eine CD eines wieder ins Leben gerufenen Projektes? MS: In erster Linie steht das Album für sich selbst bat ein universelles Thema und mit dem Song Requiem einen Mittelpunkt den ich aus künstlerischen Gründen gewählt habe. Danach folgt erst der Gedanke, dass das Comebackalbum nun so betitelt ist aber ich dachte mir/dass es ein schönes Paradoxon darstellt und sozusagen einen geschlossenen Kreislauf aus Geburt, Tod und Wiederauferstehung... und wie eng diese Dinge manchmal zusammenhängen können. O:
Mantus soll es in Zukunft tatsächlich auch live geben, womit
ihr sicher sehr vielen Fans eine große Freude bereitet Was hat
euch dazu bewogen, eure frühere Ablehnung aufzugeben?
O: .Die großen Worte sind doch alle schon einmal gesagt", heißt es in einer der neuen Textzeilen. Eigentlich sind ja auch alle großen Themen schon besungen worden. Warum macht es trotzdem Sinn, sie immer wieder aufzugreifen? MS: Letztendlich gibt es keinen Sinn, der über allem steht und die Welt erklärt. Nur im Einzelnen kann man den Dingen und den Handlungen einen Sinn zusprechen, um das Leben voranzutreiben. Ich glaube nicht an Veränderung oder Fortschritt sondern denke, dass sich alles nur im Kreis dreht und sich in verschiedener Art und Weise offenbart. Immer das Gleiche, nur in veränderter Form. Die Philosophen meinen heutzutage, diesen Gedanken schon überwunden zu haben. Ich denke, die Mechanismen des Lebens bleiben im Grunde immer dieselben, und es ist einfach nur sehr schwer, das zu erkennen, weil der Lebenswille, den jeder in sich trägt, die stärkste Instanz auf dieser Welt ist und sich gegen jeden Angriff zur Wehr setzen muss. Axel Schön - Orkus |