Black Heaven
Herr Schindler in
Bestform
Martin, mit "negativ" veröffentlichst du ein neues Album als BLACK HEAVEN. Was hat sich im Vergleich zu den Vorgängern verändert? Mir kommt es vor, als wäre das Album deutlich härter... Rein musikalisch gesehen hat sich schon eine Menge getan. Zum einen ist durch die gesamte Thematik des Albums die Grundatmosphäre zwangsläufig sehr düster und teils auch bedrohlich ausgefallen, und zum anderen gibt es eine Entwicklung in der Musik, die sich in den verschiedenen Einflüssen widerspiegelt. Das sind vor allem die ethnischen und orientalischen Elemente und auch die verstärkt orchestralen Arrangements die ich eingesetzt habe. Ein schöner Nebeneffekt davon ist, dass das Album dadurch sehr abwechslungsreich und vielschichtig ausgefallen ist. Das "Kunstwerk" Album hatte seine lichten Momente und immer wieder kamen kleine Hoffnungsschimmer hindurch, "negativ" ist da konsequenter, depressiver und auch etwas härter. Auch die Texte erscheinen mir wesentlich düsterer als auf den fünf vorherigen Alben. Was hat dich diesmal beschäftigt, wo ist der rote Faden, und würdest du "negativ" als Konzeptalbum bezeichnen? Ein reines Konzeptalbum ist "negativ" nicht. Das was die einzelnen Songs verbindet, ist das Grundkonzept, bzw. das Grundgefühl welches ich vermitteln möchte. Die Texte sind entsprechend düster ausgefallen und es gibt nur wenige Lichtblicke, wie z.B. bei "Kill the pain", wo die Liebe den Schmerz und den Hass besiegt. Die romantischen Elemente habe ich auf diesem Album zurückgenommen, damit die Songs so ehrlich und unmittelbar rüberkommen wie es notwendig ist um die Atmosphäre zu transportieren. Allein schon der Name der CD ist bedrückend. Wieso hast du ihn gewählt? "negativ" ist in erster Linie ein philosophisches Album und ich habe den Titel als Oberbegriff gewählt für die gesamte Weltanschauung die dahintersteht. Die Suche nach der Wahrheit spielt für mich und mein Leben eine sehr große Rolle und ich versuche hinter die Dinge zu schauen und die Motive zu erkennen, welche diesem Leben zugrunde liegen. Ich versuche immer einen objektiven und ungeschönten Blick auf diese Welt zu haben, um die Mechanismen des Lebens zu erkennen, und das was ich sehe ist oft sehr ernüchternd und erschreckend einleuchtend. Das hat nichts mit gut und böse oder richtig und falsch zu tun, ich erkenne einfach die Menschen als höchstgeistige Wesen die sich viele Wahrheiten zurechtlegen und denen im Endeffekt ganz einfache, natürliche Prinzipien zugrunde liegen. Ein Begriff wie "negativ" soll sich deutlich davon absetzen, z.B. einen höheren Sinn in dieser Welt und dem eigenen Leben zu erkennen. Er soll sich absetzen von falscher Hoffnung und blinder Moral, die in dieser Welt immer nur Machtprinzipien und Kontrolle widerspiegeln. Ich bin der Meinung, Leben als solches muss erst in seinem Ursprung erkannt werden, damit so etwas wie Harmonie, Frieden und Glück überhaupt möglich sein kann. Obwohl wirklich düster, sind die Songs auch sehr tanzbar. Ist das kein Gegensatz für dich? Manche düsteren Songs müssen auch tanzbar sein, weil sie dann die entsprechende Aggressivität verkörpern können. "Violent acts of hate" oder "Decadance" leben davon, die Zerstörung zu zelebrieren. Solche Songs sollen nicht melancholisch oder romantisch anmuten, sondern beinhalten auch Gefühle wie Verzweiflung und Wut, deshalb habe ich auch auf tanzbare Strukturen gesetzt. Bei all der Negativität könnte man meinen, dass du auch eine sehr düstere Person bist Trifft das zu, oder bist du ein eher fröhlicher Mensch? Im Allgemeinen bin ich kein fröhlicher Mensch und auch sehr introvertiert. Ich habe mich, vor allem in der Kunst, eher der dunklen Seite des Lebens verschrieben und bei all der Oberflächlichkeit in dieser Gesellschaft hat das bestimmt auch seine Berechtigung. Für viele Künstler ist Musik ein Ventil, schlechte Erfahrungen und Gefühle zu verarbeiten. Ist das bei dir auch der Fall, oder trennst du da strikt zwischen Kunst und Privatleben? Nein, ich trenne da nicht und es ist mir auch gar nicht möglich, weil ich dafür wahrscheinlich viel zu emotional bin. Seitdem ich Musik mache, findet sich meine ganze Persönlichkeit in den Songs wieder und gerade die Art Texte die ich schreibe können nur so existieren, weil sie mit eigenen Gefühlen und Erfahrungen angereichert sind. Ich versuche meine ganze Seele in die Musik hineinzulegen und finde es sehr schön, wenn die Leute mir zu verstehen gaben, dass ihnen die Musik sehr viel gibt oder sie sich selbst darin wieder finden. Was planst du nun für die Zukunft? Sowohl, was Black Heaven angeht, als auch für andere Projekte? Erstmal bin ich gespannt wie das neue Album von den Fans angenommen wird und dann werde ich mich zu gegebener Zeit mit den Songs für eine folgende Produktion beschäftigen. Und dann gibt es noch eine weitere Sache die ich in naher Zukunft angehen werde, aber darüber kann ich momentan noch nichts weiter sagen... |