SEPIA

Personality Check


Gothic 48

(03/2005)

Dass Mantus, die sich über die Zeit zu einer Konstante der schwarzen Szene gemausert hatten, nicht mehr sind, kam für nicht wenige Fans überraschend. Übermäßig Grund zu trauern gibt es indes nicht, denn Martin Schindler und seiner Schwester Tina machen weiter, als zwei Teile des Quartettes Sepia. Um was es sich dabei genau handelt, und warum mit Mantus Schluss ist, das durfte Martin uns erst einmal selbst erklären.

Vergangenheit und Zukunft
Ich selbst habe schon seit längerem mit dem Gedanken gespielt, mich musikalisch und künstlerisch zu verändern und habe dann überlegt, wie ich es am besten anstellen könnte. Wir machen Mantus seit über 6 Jahren und es war eine sehr schöne Zeit, die wir genossen haben, aber im letzten Jahr zeichnete sich deutlich ab, dass wir eine Veränderung wollten, und es war nur eine Frage, ob wir mit Mantus etwas neues wagen oder konsequent etwas Neues beginnen. Es ist da schwer, einen Mittelweg zu finden, denn wenn wir mit Mantus in eine andere Richtung gehen, würde es uns von vielen übel genommen werden. Als Künstler sollte man das Recht haben, sich weiter entwickeln zu können, und ich muss sagen, die Vielzahl der Mails, die uns erreichten, waren überwiegend positiv und man ist gespannt auf Sepia, und das freut mich sehr.

Was war zuerst da, das Ende von Mantus, oder der Anfang von Sepia?
Die Auflösung und die Neugründung gingen praktisch Hand in Hand, denn ohne Musik geht bei mir gar nix und beides parallel zu machen wäre unmöglich gewesen, denn das Konzept von Sepia ist wirklich allumfassend und noch zeitintensiver als Mantus. Allein schon deshalb, weil wir sehr viele Livekonzerte spielen, was es mit Mantus nie gegeben hat. Aber es ist auch so, dass ich mich mit Mantus eingeengt fühlte. Wenn man sich persönlich verändert, will man sich auch musikalisch verändern.
Mantus war für mich der Anfang von allem, was gewesen ist, und das Ende von Mantus ist für mich der Anfang von dem, was noch kommen wird.

Höhepunkte und Erinnerungen
Es gab einige Sachen, an die ich mich im Nachhinein gerne erinnere, z.B. wie ich meinen ersten Plattenvertrag mir Mantus bekommen habe oder wie wir unser erstes Album aufgenommen haben. In einem Semiprofessionellen Studio am Arsch der Welt über einem Schweinestall, aber es war sehr cool, vor allem wenn man dann das fertige Album frisch aus dem Presswerk stolz in der Hand hielt. Hervorheben muss man auch immer wieder die vielen Mails, die mich über die Jahre erreichten, in denen die Leute beschrieben, was ihnen die Musik von Mantus gegeben hat.
Mantus war über Jahre mein Lebensinhalt und ich habe alle Energie hineingesteckt. Ein Teil davon ist im Nachhinein, z.B. wenn gerade ein neues Album veröffentlich worden ist immer zu mir zurückgekehrt. Es hat mich immer sehr gefreut, dass bei vielen Leuten noch der Wunsch nach ehrlicher und emotionaler Musik vorhanden ist.

Die Band
Letztendlich haben wir uns über Kleinanzeigen zusammengefunden. Da ist zum einen Micha an der Drums. In den letzten Jahren hat er bei Planlos gespielt und sucht nun mit Sepia eine neue Herausforderung. Und dann ist da Peppe an der Gitarre, der auch schon in einigen Bands gespielt hat und musikalisch immer aus dem Rockbereich kommt. Wir spielen jetzt seit Anfang diesen Jahres zusammen und harmonisieren gut miteinander.

Was kann man sich unter der neuen Musik vorstellen?
Kategorisch könnte man sagen, das wir eine Mischung spielen aus Rock, Metal und Gothic mit deutschsprachigen, weiblichen Vocals. Im Gegensatz zu Mantus geht es bei Sepia weitaus rockiger und aktiver zu, die Arrangements und das Songwriting sind anspruchsvoller geworden und der Sound ist viel druckvoller. Trotzdem setzen immer noch auf viel Gefühl in unseren Songs und Tina bringt das mit ihrer Stimme sehr gut rüber.
Auf unserer Homepage kann man schon einige Texte von unseren aktuellen Songs nachlesen und man wird feststellen, das sie unverkennbar meine Handschrift tragen und sich doch im Detail stark von Mantus-Texten unterscheiden. Die Musik hat sich verändert, also haben sich auch die Texte verändert. Oft sehr kritisch gegenüber der Gesellschaft, rebellisch, resignierend. Von den konsequent romantischen Texten habe ich mich verabschiedet, denn sie spiegeln nicht mein Inneres und nicht die Welt, die uns umgibt.

Pläne?
Wir haben uns bisher noch mit keiner Plattenfirma einigen können und haben uns in dieser Richtung noch nicht gebunden, deshalb ist es noch ungewiss, wann etwas kommt. Aber natürlich wird demnächst etwas kommen. Vorerst konzentrieren wir uns voll und ganz auf die Livegigs, die wir gerade mit unserer Agentur planen.

 Thorbjön Spieß - Gothic Magazine