Thorbjörn:
Zuerst einmal Glückwunsch zu einem weiteren überaus gelungenen
Album. Wie ist deine Meinung zum Werk kurz nach der
Veröffentlichung? Siehst du es, wie bei Musikern üblich, als
dein bestes oder hast du schon Selbstkritik anzumerken?
Martin: Ich denke schon,
dass dieses Album als Ganzes eine sehr gelungene
Veröffentlichung ist. Das ganze Drumherum hat dieses Mal
zusätzlich eine hohe Bedeutung gehabt, also ein konzeptionelles
Layout, das mit der kommenden Maxi/DVD-Veröffentlichung
weitergeführt wird, und natürlich die Bonus CD, mit der wir uns
sehr viel Mühe gegeben haben.
Rein vom technischen Standpunkt aus bin ich mit dem
aktuellsten Album immer sehr zufrieden. Generell befindet man
sich mit jedem neuen Album in einer Entwicklung und das spiegelt
sich in allem wider. Dieses Album ist schon rockiger ausgefallen
und die Gitarren stehen oft im Vordergrund. Ich arbeite zur Zeit
an einigen neuen Mantus-Songs, der Sound wird noch verstärkter
in diese Richtung gehen und sogar Metal Elemente beinhalten.
Dass man einen endgültigen Stil jemals finden wird, ist jedoch
eher unwahrscheinlich.
Thorbjörn:
Direkt im ersten Song des neuen Albums willst du "wachgeküsst"
werden. Gleichzeitig verfolgen dich Menschen "vom Tiefschlaf in
die Wirklichkeit", ein Bild, das nicht zum ersten Mal bei Mantus
auftaucht. Sind Träume eine Inspiration für dich? Wenn ja, eher
positiv oder negativ in Form der beschriebenen Albträume?
Martin: Träume sind eine
sehr große Inspiration in jeglicher Hinsicht. "Küss mich wach"
ist der älteste Song des neuen Albums, ich habe ihn schon zu "Abschied"-Zeiten
geschrieben, und der Text, also die Erinnerung und die
verbundenen Gefühle, stammen auch aus der Phase. Die Szenerie
dieses Traums verfolgte mich eine Zeitlang und ich musste sie
irgendwie verarbeiten. Seit langem träume ich allerdings nicht
mehr von Verfolgungen und ich habe einige psychische Probleme
abgelegt.
Ich bin ein Mensch, der gerne schläft und gerne träumt, und
das nimmt sicher auch eine große Bedeutung ein im Konflikt
zwischen Realität und Scheinwelt. Ich schöpfe großteils aus mir
selber, deshalb ist es eine Inspiration, aber durch die
Isolation, die dadurch entsteht, ist diese Traumwelt auch
negativ belastet.
Thorbjörn:
Was hältst du von Menschen, die ernsthaft und intensiv
Traumdeutung betreiben?
Martin: Ich finde dass sehr
interessant, da unangezweifelt sehr viel Wahrheit dahinter
steckt. Mit der Wissenschaft im Allgemeinen und der Psychologie,
bzw. mit vielen Menschen, die diese ausüben, habe ich allerdings
meine Probleme und denke, dass die ganze Sache stark überschätzt
wird.
Thorbjörn:
"Ein Hauch von Wirklichkeit" hat mich zuerst an die 2002er
Veröffentlichung "Fremde Welten" denken lassen. Ist das ein
eingeplanter Kontrast oder haben beide Werke nur "zufällig"
diese Titel? Ist andererseits nicht aus deiner Sicht, soweit ich
sie bislang aus deinen Aussagen kenne, sogar die Wirklichkeit
die eigentliche fremde Welt?
Martin: Ja, das schon, aber
es hängt doch alles zusammen und ist ein Wechselspiel der
Gefühle. Auf Dauer wird es unerträglich sein, sich hinter einer
Scheinwelt zu verschanzen und man wird damit nicht glücklich
werden. Für mich persönlich ist der Punkt gekommen, die Tür nach
draußen ein wenig weiter aufzustoßen. So gelangt mehr nach
außen, aber es kommt auch mehr zurück. Alle Zeit muss einmal
enden und ich möchte ein neues Kapitel aufschlagen, sowohl im
künstlerischen als auch im persönlichen Sinne. Jede Veränderung
ist im Moment etwas positives.
Thorbjörn:
Eine auffällige Parallele zum dritten Album sehe ich auf jeden
Fall darin, dass diesmal wieder die Themen dabei sind, die
letztes Jahr komplett fehlten: Armut, Krieg und Kindesmissbrauch
suchte man auf "Weg ins Paradies" vergebens. Gleichzeitig
empfand ich "Weg..." dadurch emotional als intensiver. Du
schreibst die Lieder und wirst mir deshalb kaum zustimmen
können, aber mir erscheint es, als seien solche weltlichen Dinge
Fremdkörper im romantischen Mantus-Kosmos? Deine Art zu dichten
zum Beispiel passt überhaupt nicht zu Vorgängen, wie du sie in
"Mord im Mondschein" beschrieben hast.
Martin: Wie schon erwähnt,
wird sich da einiges ändern. Lange Zeit habe ich sehr abstrakt
getextet und das mache ich immer noch sehr gerne, das führt aber
leider auch immer zu Missverständnissen; es wird zu viel in
Texte hineininterpretiert, das nicht in meinem Sinne ist.
Romantisch waren wir schon immer, aber man darf auch nicht
einseitig werden in der Ausdrucksweise. Für viele Leute heißt
romantisch auch, dass man den Rest der Welt verleugnet, und da
bin ich ganz anderer Meinung. Es liegt auch an uns, die Welt so
zu gestalten, wie wir sie haben wollen, und ich werde meinen
Teil dazu beitragen. Man kann einen Song wie "Pathos" schreiben
und es bleibt Platz für Interpretation, die Ausdrucksweise ist
sehr lyrisch, man kann aber auch konkret werden und über soziale
Missstände und diese Gesellschaft texten, für mich kommt
letztendlich das Gleiche raus und ich hoffe, dass sich auch die
Hörer darauf einlassen können und wollen.
Thorbjörn:
Im Titelstück genügt ein Hauch von Wirklichkeit, dir Furcht
einzujagen. Wie lässt sich das in Bezug auf das Alltagsleben
verstehen? Texte wie die zu "Ein Hauch..." oder "Dein Feind"
lassen vermuten, dass du zu den Menschen gehörst, die allein
durch das Anschauen einer Nachrichtensendung stark mitgenommen
werden.
Martin: Gerade der Titelsong
gibt ein sehr allgemeines Bild ab von meinem Verhältnis zu
dieser Welt, den Menschen und diesem Land. Die Textzeile lautet
"...bläst Hass und Furcht mir ins Gesicht", und das ist der Kern
des Ganzen und Grundlage vieler Texte.
Bei Nachrichten, Berichterstattung und unserem ganzen
Medienapparat muss man schon sehr differenzieren, um sich ein
richtiges Bild machen zu können. Die Manipulation lauert an
allen Ecken und ich zweifle lieber einmal zuviel, als vorschnell
etwas zu glauben. Diesbezüglich lässt mich das also eher kalt.
Es stimmt allerdings, dass ich auf äußere Reize stark
reagiere, und so können mich Filme oder Musik sehr mitnehmen.
Aber das ist eine Eigenschaft, die ich nicht missen möchte.
Thorbjörn:
Stichwort "Dein Feind" - es ist tatsächlich ein Phänomen, dass
so ziemlich jeder Musiker, den ich über die letzten Monate
interviewt habe, mindestens einen Song zu diesem Thema
aufgenommen hat. Wie siehst du es, steckt Kalkül dahinter oder
kommt da zum Vorschein, dass trotz aller Individualität Künstler
letztlich doch alle ihre Umwelt reflektieren und sich einem
Ereignis wie dem Irak-Krieg nicht verschließen können?
Martin: Ich finde es sehr
positiv, dass sich gerade Künstler diesen Sachen nicht
verschließen. Es geht uns alle etwas an, nicht zuletzt, da wir
selbst davon betroffen sind und einfach Stellung beziehen
müssen. Mir war es wichtig, mich von den Amerikanern und einer
ganzen imperialistischen Politik abzugrenzen.
Thorbjörn:
"Stumme Schreie" greift ebenfalls ein Thema auf, dass einem
innerhalb der Szene in den letzten Monaten häufiger begegnet:
Terminal Choice, Umbra Et Imago, Staubkind, Subway To Sally, so
einige Bands haben sich an den Kindesmissbrauch herangewagt. Ein
heikles Thema, das Mantus meiner Meinung nach nicht gut
umgesetzt haben. Für mich der einzige Tiefpunkt des neuen
Albums. Denkst du, "Stumme Schreie" wird den Dimensionen, in die
es vorstoßen will, textlich und musikalisch auch nur annähernd
gerecht?
Martin: Natürlich.
(Ich liebe solche Antworten - Anm. d. Verf.)
Thorbjörn:
Beim Blick auf die Texte fällt auf, dass diese heuer kindlicher
klingen als je zuvor. Den albernen Begriff "Klischee" möchte ich
gar nicht bemühen, aber "Sehnsucht" und "Blatt im Wind" strahlen
eine Verzweiflung und einen Trotz aus, wie er zumeist im Laufe
des Erwachsenwerdens verloren geht. Ist es wichtig, sich die
Fähigkeit zu solch Kindlichem zu bewahren?
Martin: In den letzten paar
Interviews die ich gegeben habe, wurde der Begriff "Klischee"
nicht mehr verwendet und ich war auch sehr froh darüber, dass
unsere Musik anscheinend besser verstanden wird. Im übrigen weiß
ich gar nicht so recht von welchem Klischee eigentlich
gesprochen wird, wenn man Wörter wie "Liebe", "Schmerz" oder
"Tod" verwendet.... na, herzlichen Glückwunsch.
Die beiden angesprochenen Songs sind sehr gefühlvoll und
Thalia hat ihre spezielle Art, diese Themen umzusetzen. Gerade
bei "Blatt im Wind" konnte sie ihre Stärke ausspielen, denn es
ist aus der Sicht eines jungen Mädchens geschrieben. "Sehnsucht"
ist eher ein moderner Song, der übrigens nicht in erster Linie
von der Liebe handelt, sondern vom Verhältnis zum Leben
allgemein.
Thorbjörn:
Bei anderen Musikern lässt sich mitverfolgen, wie sie sich -
auch durch das, was sie schaffen - nach und nach besser fühlen,
blickt man auf die Mantus-Werke, so kommt einem eher der
beängstigende Gedanke, dass sich für dich nichts ändert, dass
Negativität und die genannte Verzweiflung präsenter sind als
früher? Läufst du Gefahr, irgendwann zu resignieren und dich
ständig zu wiederholen?
Martin: Ganz so schlimm ist
es dann auch wieder nicht. Ich habe meinen bestimmten Stil, in
dem ich schreibe und wie ich mich ausdrücken will. Es fällt mir
leichter, von Dingen zu schreiben, die mich belasten, als von
solchen, die mich glücklich machen, denn oft gewinnen Songs so
an Tiefe und an Tragik. Bei mir persönlich hat sich schon
einiges zum Positiven verändert, andererseits gibt es immer noch
viele Sachen, die in mir verwurzelt sind und die ich nicht
einfach ablegen kann, weil sie Teil meines Charakters sind.
Thorbjörn:
Ich weiß nicht, ob du einen favorisierten Song hast, meiner ist
"Dunkler Engel". Hinter dem Titel vermutete ich nicht viel, doch
er entpuppt sich letztlich als echte Hymne mit dem Kernsatz
"Vielleicht bleib ich für mich in dieser Welt allein". Ist das
eine reale Angst deinerseits? Fühlst du dich teilweise zu fremd,
um jemals (!) zu irgendjemandem zu gehören?
Martin: Ich habe natürlich keinen
favorisierten Song da ich sie ja alle geschrieben habe.
Zum Teil ist es eine reale Angst von mir. Ich denke dass
jeder Mensch letztendlich für sich alleine ist, alles andere ist
bloß romantische Vorstellung, die natürlich durchaus real
erscheinen kann. Ich glaube an die Liebe und denke, dass jeder
Mensch seinen Seelenpartner für sich finden kann. "Dunkler
Engel" spiegelt halt die Angst wider, wie sie sicher fast jeder
einmal durchlebt hat, sei es nach einer Trennung oder einfach so
in stillen Stunden.
Thorbjörn:
Denkst du, es ist möglich, je von einem anderen Menschen
vollkommen verstanden zu werden?
Martin: Nein,
nicht wirklich. Wenn man allerdings verstanden werden will, dann
wird es auch so sein.
(Äh... - Anm. d. Verf.)
Thorbjörn:
Deine Schwester singt die Hälfte der Texte in beiden deiner
Projekte. Ist das Arbeiten mit einem Familienmitglied einfacher
oder komplizierter als mit einem anderen Mitmusiker? Könntest du
dir vorstellen, jemand anderen singen zu lassen, solltest du
jemanden finden, der/die es besser kann, oder würdest du immer
Gefühl über Perfektion stellen?
Martin: Im Moment mache ich
zwei aktive Projekte, Mantus und Black Heaven. Es gab
zwischendurch einige weitere Projekte, bei denen ich mit anderen
Sängerinnen zusammengearbeitet habe, habe also auch einige
Erfahrungen darin gesammelt. Im Moment ruhen diese Projekte, da
ich zur Zeit mit Mantus und Black Heaven ausgelastet bin. Als
ich für diese Projekte auf der Suche nach geeigneten Sängerinnen
war, habe ich gemerkt, wie schwierig es ist, Partner zu finden,
mit denen man gut arbeiten kann und mit denen man sich wirklich
gut versteht. Und ich habe es sehr zu schätzen gelernt, mit
meiner Schwester als Sängerin zu arbeiten. Sie hat eine sehr
gute Stimme, ist sehr umgänglich und mit den Jahren weiß man
natürlich genau, wie man die Dinge angehen muss. Ich schreibe
Songs gezielt für ihre Stimme und die Ergebnisse sind immer sehr
zufriedenstellend.
Thorbjörn:
Bei aller Ernsthaftigkeit, gibt es eine Seite an dir, die
manchmal herzhaft über sich selbst lacht und sich sagt: "Mann,
über was für einen Mist habe ich mir da eigentlich Gedanken
gemacht"?
Martin: Bei der Musik oder bei der Lyrik
gibt es diese Momente eher selten, obwohl ich natürlich auch
Songs mache, die ich im Nachhinein als grottenschlecht ansehe,
und bei denen ich mich wirklich frage, was ich da verzapft habe.
Diese Sachen werden zum Glück nie veröffentlicht.
Ich habe diese Momente, wenn ich auf die Jahre zurückschaue.
Vieles habe ich früher sehr verbissen gesehen und heute frage
ich mich, ob das nötig war. Bereuen tue ich Dinge allerdings
eher selten, denn zu ihrer Zeit hatten auch diese Dinge ihre
Berechtigung.
Thorbjörn:
Nachdem es eine Doppel- CD- Edition mit wirklich schönen
Piano-Versionen gab, wird bald auch die erste Mantus- Single
inklusive DVD erscheinen. Zu welchen Liedern habt ihr Videos
gedreht und was wird sonst noch auf der Scheibe enthalten sein?
Martin: Auf der kommenden
Maxi/DVD befinden sich drei Versionen des Titelstückes "Keine
Liebe", darunter die Pianoversion und ein Remix von Samsas
Traum, und zwei weitere exklusive Mantus-Stücke. Auf der DVD
befinden sich Videos zu vier Songs, neue wie ältere, "Keine
Liebe", "Scherben", "Tanz der Sinne" und "Wir warten auf den
Tod". Wir haben diese DVD in Eigenregie hergestellt, da für ein
solches Vorhaben im großen Stile keine Mittel bereitgestellt
wurden. Die Videos sind so sehr "trashig", mit einem
persönlichen Flair, der bei teuren Videoproduktionen fehlt. Es
wurde mit Handkameras gefilmt, die Drehorte befanden sich
unmittelbar in unserer Umgebung, es gab kein Set und keine
Drehbücher und geschnitten habe ich es selbst in meinem Studio.
Ingo Römling war auch bei der Menügestaltung einbezogen und hat
das Artwork für das Digipak gemacht. Zusätzlich haben wir noch
ein "Making of" mit draufgepackt, weil solche Szenen immer sehr
interessant auf einer DVD sind, wie ich finde. Diese
Veröffentlichung wird für Fans sehr interessant sein, weil sie
wirklich sehr persönlich ist und es etwas in solch einer Form
nicht mehr geben wird. Wir treten im Moment nicht live auf, da
ist es für die Leute vielleicht ganz interessant, uns mal in
natura zu sehen.
Thorbjörn:
Zur Gestaltung der CD - besteht nicht langsam die Gefahr, dass
Ingo Römling mit den vielen Artworks irgendwann so ausgelutscht
erscheint wie Andreas Marschall im Metal- Bereich? Er entwirft
ja inzwischen 50% der Trisol-Verpackungen, könnte man meinen.
Martin: Soweit ich weiß,
arbeitet Trisol noch nicht so lange mit Ingo zusammen, aber das
waren natürlich auch nicht die Kriterien, wonach wir uns
entschieden haben, mit ihm zu arbeiten. Er macht einfach
fantastische Layouts und versteht es, genau das umzusetzen, was
man auch haben will. Zudem ist er sehr vielseitig und ein netter
Mensch.
Thorbjörn:
Außerdem angedacht ist ein Gedichtband. Es besteht ein
eindeutiger Unterschied zwischen Songtexten und Schreiblyrik.
Werden deine Texte ohne Musik bestehen können?
Martin: Der Gedichtband "Sehnsucht
schweigt" wurde am 24.05. veröffentlicht und ist außerdem noch
in einer Limited Edition erschienen, in einer Box mit Poster und
einigen Extras.
Lyrik ist eine ganz andere Liga als Songtexte. Ich schreibe
seit mittlerweile 12 Jahren, überwiegend Lyrik, aber auch
Erzählungen, Romane und Improvisationen. Die Lyrik in diesem
Gedichtband ist eine Zusammenstellung vieler Texte aus
verschiedenen Zeiträumen und wird sicherlich viele Leute
überraschen, die bisher nur meine Songtexte kannten. Ohne Musik
ist man nirgendwo eingebunden, man schreibt frei heraus, es gibt
keine Zwänge und man kann Gefühle unverfälscht vermitteln. Dies
wird mit Sicherheit nicht mein letztes Buch gewesen sein.
Thorbjörn:
Hast du lyrische Vorbilder oder kannst Dichter nennen, die du
bewunderst?
Martin: Er gibt einige Schriftsteller
die ich bewundere, Goethe, Trakl, Nietzsche..... einige.
Thorbjörn:
Wie steht es mit Black Heaven? Wann dürfen wir mit der nächsten
Veröffentlichung rechnen, erfahrungsgemäß lässt die ja nie lange
auf sich warten?
Martin: Die Arbeiten zum
neuen Black Heaven-Album sind vor einigen Wochen abgeschlossen
worden. Das Album wird "Trugbild" heißen und erscheint als
limitierte Edition mit einer Bonus CD, die mit "Black Heaven
feat. Mantus" betitelt ist, es gibt also einige Versionen von
Mantus-Songs, die elektronisch neu instrumentiert und bearbeitet
wurden. Ein Veröffentlichungstermin steht noch nicht fest, ich
denke so in zirka drei Monaten wird sie erscheinen. Besonders
auffällig an diesem Release ist, dass die Texte durchgehend in
deutscher Sprache gehalten worden sind, und auch die Musik hat
sich ein wenig entwickelt.
Thorbjörn:
Kommentiere zum Schluss doch bitte die folgenden Zitate:
"Kinder und Verrückte fürchten den Tod nicht!" - David A. Line
Martin: Es gibt eine existentielle Angst
vor dem Tod, die uns von Geburt an mitgegeben wird. Nur ein
Wahnsinniger vermag das zu verdrängen. Kinder mögen zwar
unvorbelastet sein, aber bestimmt nicht ohne Angst.
Thorbjörn:
"Wenn man lebt, passiert nichts. Die Szenerie wechselt, Leute
kommen und gehen, das ist alles. Es gibt nie Anfänge. Ein Tag
folgt dem anderen, ohne Sinn und Verstand, ein unaufhörliches,
eintöniges Aneinanderreihen." - Jean-Paul Sartre
Martin: Es hatte schon seinen Grund,
warum die Existentialisten sich in schwarz gekleidet haben.
Thorbjörn:
"Es gibt keine Kindheit, keine Jugend, kein Alter. Es gibt nur
die Jahre, in denen wir an die endgültigen Antworten glauben und
dafür kämpfen, und die Jahre, in denen wir einzusehen versuchen,
dass wir immer mit den Fragen leben müssen." - aus "Von der
Liebe und..." von Peter Hoeg
Martin: Wer ist denn Peter
Hoeg? (Peter Hoeg ist ein vor allem dank "Fräulein
Smillas Gespür für Schnee" recht bekannter Schriftsteller - Anm.
d. Verf.) Es gibt verschiedenen Dekaden im Leben
eines Menschen und mit dem Alter verändern sich die Fragen. Man
darf nur nicht davon ausgehen dass es etwas endgültiges geben
kann. Mir ist diese Aussage zu verallgemeinert.
Thorbjörn:
Vielen herzlichen Dank für deine Zeit und dafür, dass du all
diese Fragen beantwortet hast. Ich wünsche weiterhin alles Gute.
Irgendwas, was du noch sagen möchtest?
Martin: Nein. Vielen Dank.