Mantus - Martin Schindler über Mantus


Orkus
(11/2004)

Tini im Interview mit Mantus, März 2004   

Orkus: Wie kam es zu Mantus? Wie habt ihr zwei zusammen gefunden?
Martin: Begonnen habe ich ungefähr vor sieben Jahren an dem Projekt zu arbeiten und meine Songs zu verwirklichen. Lyrics und Musik habe ich schon immer geschrieben und mit Mantus nahm das Ganze dann konkrete Formen an und ich wollte damit auch an die Öffentlichkeit gehen. Mit Thalia habe ich zusammen das erste Demo gemacht und das geschah eigentlich aus der Not heraus weil ich zu der Zeit auf der Suche nach einer Sängerin war. Thalia ist übrigens, weil viele das nicht wissen, meine Schwester. Ich mochte immer gerne das Zusammenspiel von männlichem und weiblichem Gesang und gerade zu Mantus passt es wunderbar als Ausdruck und Stilmittel. Auf jeden Fall waren wir alle, u.a. auch die Plattenfirma, sehr begeistert von ihrer Stimme, und so haben wir auch in Zukunft weiter zusammen gearbeitet.

Orkus: Könntet Ihr Euren Musikstil genau beschreiben?
Martin:
Mittlerweile kann ich das nicht mehr wirklich. Wir haben mit deutschsprachigem Gothic begonnen und viele Elemente sind davon immer noch enthalten. Wir sind mittlerweile sehr rockig, durch die Gitarren und den Druck der Produktion, natürlich aber immer noch sehr melancholisch und die Texte sind ziemlich düster und introvertiert. Wir haben uns aber von jeglichem Schubladendenken verabschiedet und genießen unsere künstlerische Freiheit.

Orkus: Wieso verwendet Ihr gerade diese Art von Musik? Denkt ihr durch diesen Stil am besten Eure Gefühle und Eindrücke vermitteln zu können?
Martin:
Naja, vieles geschieht eben einfach so. Ich selbst habe auch ein bestimmtes Bild von Mantus, wie das ganze klingen soll und was ich ausdrücken möchte und wenn ich anfange zu komponieren kommt das eben dabei raus. Ich lege natürlich viel Wert auf die Lyrics und es stimmt schon dass diese Art von Musik sehr gut geeignet ist um sie zu unterlegen. Wir sind sehr eingängig und setzen auf Melodien um alles bedeutungsschwer klingen zu lassen. Natürlich entwickeln wir uns weiter und so ist doch ein deutlicher Unterschied zu hören zwischen "Liebe und Tod" und dem neuen Album. Alles ist runder, ausgefeilter und einfach besser

Orkus: Mantus ist Wächter der Unterwelt der Etrusker, der die Rückkehr der Toten in die Welt verhindert. Steckt dieses auch hinter Eurem Namen oder seht Ihr eine andere Bedeutung?
Martin:
Zum einen steckt diese Bedeutung ursprünglich hinter diesem Namen und wir haben das dann auf unsere Musik und die Texte bezogen, zum anderen war es auch so, dass ich damals in einer Phase war wo jedes Wort eine bestimmte Bedeutung hatte und miteinander verknüpft war. Ich hatte z.B. einen Roman geschrieben wo die Personen Midas, Marsias oder Mephistopheles hießen, also alles fing mit M an und hörte mit S auf um zu verdeutlichen, dass meine Persönlichkeit hinter diesen Personen steckt; und ähnlich war es dann auch bei Mantus. Außerdem mag ich Bandnamen die kurz und einprägsam sind.

Orkus: Habt Ihr irgendwelche Vorbilder? Von wem fühlt Ihr Euch inspiriert?
Martin: Nein, es gibt keine Vorbilder. Sicher gibt es auch gerade in der Musikszene Leute und Gruppen die ich bewundere aus verschiedenen Gründen aber tauschen wollen würde ich dann doch nicht. Ich höre und interessiere mich für sehr viele Arten von Musik und doch gibt es gar nicht so viel was mich dann wirklich umhaut, vor allem auch auf längere Zeit. Ich lasse mich häufig von verschiedenen einzelnen Songs inspirieren aber konkret werden kann ich da nicht. Ich denke es gibt insgesamt viel zu wenig deutschsprachige Bands und schon gar wenige mit einer Intention wie Mantus, also Vergleiche könnte ich schon gar nicht anstellen.

Orkus: Jetzt aber mal direkt zu Eurer CD: Ihr bringt mit "Ein Hauch der Wirklichkeit" Euer fünftes full length Album heraus. Welche Entwicklung habt Ihr zwischen "Weg ins Paradies" und dem jetzigen Album durchlebt? Wie habt Ihr Euch verändert? Wa habt Ihr überhaupt in der Zwischenzeit gemacht?
Martin: Ziemlich direkt nach dem letzten Album fingen die Arbeiten zu "Ein Hauch von Wirklichkeit" an und haben sich dann über viele Monate hingezogen, da wir mit diesem Album etwas außergewöhnliches und sehr aufwändiges machen wollten. So sind es im Prinzip vier Sachen die nun veröffentlicht werden, das Album und die Bonus CD mit den Pianoversionen, dann folgt später noch eine Maxi plus einer DVD mit verschiedenen Videos. Es hat alles viel Zeit gekostet und es steckt viel Liebe drin. Zusätzlich machen wir noch ein sehr schönes Artwork das von Ingo Römling entworfen worden ist und bringen Digipaks heraus. Das Album ist das beste was es je von Mantus gegeben hat, ich habe mir sehr viel Zeit für die Produktion genommen und sehr sorgfältig gearbeitet. Die neuen Sachen sind nicht mehr so ruhig wie auf dem letzten Album und gehen ziemlich ab und textlich sind wir uns zwar treu geblieben, doch gibt es eine große Palette von Themen und Gefühlen die wir umgesetzt haben. Ich habe mich also hauptsächlich mit Mantus beschäftigt, dann aber auch viel mit Videoproduktion wegen der kommenden DVD, die wir übrigens auch selbst produziert haben, dann mache ich zur Zeit auch Dinge wie Filmmusik und eher untypische Sachen und zwischendurch arbeite ich noch an neuem Material für Black Heaven und das ist immer eine schöne Abwechslung, da es halt elektronische Musik ist. Zusätzlich plane ich, noch in diesem Jahr meinen ersten Gedichtband zu veröffentlichen.

Orkus: Was sind Eure Ziele und Vorstellungen bezüglich des neuen Albums?
Martin: Da wir sehr viel Zeit und Geld in die neuen Sachen investiert haben, denke ich dass es sich auf jeden Fall gelohnt hat und die Leute das auch anerkennen werden. Und die Songs und alles drumherum werden auch wohl für sich sprechen.

Orkus: Ist "Ein Hauch von Wirklichkeit" ein klassisches Konzeptalbum? Wenn ja, wie verläuft der rote Faden?
Martin: Es ist kein Konzeptalbum, eher eine Ansammlung der besten Stücke die ich in den letzten Monaten produziert habe. Der Titel hat natürlich auch eine allgemeingültige Funktion, da es textlich doch häufig um Existenzängste und ein neurotisches Verhältnis zur Realität geht.

Orkus: Wie kam es zu der Idee, eine Bonus CD mit Piano Versionen für die Limited Edition zu machen?
Martin: Pianoversionen sind eine wunderbare Sache. Erstmal klingt klassisches Piano sehr schön und zum anderen werden die Songs noch mal neu interpretiert und so in ein anderes Licht gerückt. Ein wenig inspiriert war ich durch die akustischen Sachen von Deine Lakaien. Wir haben mit einem studierten Pianisten zusammengearbeitet und er hat seine Sache sehr gut gemacht. Und ich denke so etwas als Bonus anzubieten ist schon ein gewaltiger Anreiz und vielleicht war es nicht das letzte Mal dass wir so etwas gemacht haben, da es uns persönlich sehr gut gefällt.  

Orkus: Wie verläuft der Arbeitsprozess bei Euch? Martin, schreibst und komponierst du die Songs alleine, oder ist Thalia bereits beim Entstehungsprozess beteiligt?
Martin: Ich schreibe und produziere die Songs komplett alleine und entwerfe auch die Melodien. Thalia kommt dann hinzu und singt ihre Parts ein. Ich kenne ihre Stimme sehr gut, deshalb weiß ich wie ich die Songs angehen muss damit es später auch so klingt wie es sein soll.

Orkus: Wie sehen Eure Zukunftspläne aus? Möchtet Ihr das neue Material auch live präsentieren?
Martin: Wir haben mal wieder viel vor in naher Zukunft und es wird sich zeigen wie sich das alles umsetzen lassen wird. Ich bin erst mal auf die Reaktionen zum neuen Album gespannt.

Tini - Orkus