Interview von Immerlicht

 

September 2003   

Was würdest Du als Deine "größte" Inspirationsquelle bezeichnen?
Martin: Heutzutage finde ich die größte Inspiration in meiner eigenen Gedankenwelt und es ist mir möglich Ideen und Gefühle frei zu erschaffen. Oft bedarf es aber eines Anstoßes von außen um mich auf die entsprechende Wellenlänge zu begeben. Inspiration ist etwas wundervolles, denn sie weckt Dinge in mir die dann völlig neu entstehen. Die größte Quelle finde ich in Sachen die gleichermaßen traurig und schön sind oder so dargestellt werden und das können Filme oder Geschichten sein und natürlich auch Musik. Wenn etwas tragisch ist, berührt es mich und hat damit viel Wahrheit in sich. Meine Musik wird nie leicht und locker daherkommen, weil sie mir dann nichts mehr bedeuten würde.

Wie seit ihr in diese Szene gekommen? Bist Du der Meinung, dass man viele negative Erfahrungen gemacht haben muss, um hier "zu landen"?
Martin: Bei mir war es tatsächlich so, dass ich am Tiefpunkt meines Lebens angelangt war, als ich mit der Szene in Berührung kam. Allerdings war die Szene an sich für mich etwas neues, aber nicht die Einstellung die sich dahinter verbirgt. Ich komme vom Land und bis zur nächstgrößeren Stadt fuhr man mindestens eine Stunde. Mit Gothic und allem was dazu gehört hatte niemand etwas am Hut. Seit meinem vierzehnten Lebensjahr trage ich bevorzugt schwarz und bin ein sehr melancholischer Mensch. Ich verfolgte damals aber eher die Ideale von Jim Morisson oder den Beatniks und suchte nach Exzess und Revolution. Auch heute kann ich mit Sachen wie Vampirismus, Fetisch oder Sado Maso, was ja auch mit der Szene in Verbindung steht, nicht allzu viel anfangen denn meine Wurzeln liegen woanders.

Achtet ihr bei den Texten manchmal darauf, dass es sich reimt und nicht mehr auf das eigentliche Fühlen?
Martin: Wenn ich Texte schreibe bin ich immer sehr auf Ästhetik bedacht. Gedichte oder Songtexte können kleine Kunstwerke sein, wenn man seine ganze Seele hineinlegt. Heutzutage findet man in der Musiklandschaft viel Oberflächlichkeit ohne Tiefgang und dem möchte ich entgegenwirken. Ich lege wert auf einen künstlerischen Stil und den habe ich in Reim und Versmaß gefunden. Die Herausforderung ist dann, seine Gefühle in Reime zu verpacken. In der heutigen Zeit ist es schwer noch gute Lyrik zu finden, denn jeder Hanswurst hält sich schon für einen Dichter nur weil er seine Gedanken auf Papier schreibt.

Habt ihr manchmal daran gedacht, eure Musikprojekte aufzugeben?
Martin:
Nein, daran habe ich noch nie gedacht.

Was bewunderst du an anderen Menschen?
Martin: Also im Allgemeinen gesprochen gibt es nicht viel was ich an anderen Menschen bewundere. Wenn einzelne Personen oder Gruppen etwas produktives vollbringen was mich fasziniert, dann kann man von Bewunderung bei mir sprechen. Auch gibt es Menschen die eine besondere Aura mit sich tragen und alle anderen in ihren Bann ziehen können, das ist auch bewundernswert.

Drehst Du manchmal Filme im Kopf, wenn Du Musik hörst? (Das ist übrigens was, was sehr viele Menschen machen :) )
Martin: Die Filme drehe ich eher im Kopf wenn ich meine eigene Lyrik und die Musik schreibe und daran arbeite. Wenn ich Musik konsumiere, ist das bei mir reine Gefühlsbasis und ich versetze mich in die entsprechende Stimmung. Ich mag es sehr gerne, von außen inspiriert zu werden und so haben zum Beispiel Filmszenen mit der entsprechenden Filmmusik bei mir unheimlich starke Wirkung.

Hört ihr eure eigene Musik oft?
Martin: Ich sitze tagtäglich an meiner Musik und so ist das oft das einzige was ich am Tag höre. Die fertig produzierten Alben höre ich mir dagegen weniger an, oft nur um zu vergleichen oder um mich zu erinnern. Ich glaube Thalia hört sich unsere Alben öfter an, aber das liegt wahrscheinlich auch daran, weil sie die Songs nicht geschrieben hat und so etwas aufgeschlossener "zuhören" kann.

Würdest Du gerne mal einen musikalischen Stilbruch machen? (ich komme da gerade drauf, da ich heut las, dass die letzte CD von Rammstein, demnächst von einer Sopranistin in einem Klassikkonzert live vertont wird...)
Martin: Zur Zeit habe ich drei verschiedene Projekte woran ich arbeite und ich habe sie begonnen, um halt in keinster Weise eingeschränkt zu sein und mich musikalisch ausleben zu können. Mich interessiert elektronische und rockige Musik gleichermaßen und ich bin ziemlich offen gegenüber fremden Einflüssen. Wenn ich technoide oder trancige Elemente einbauen will, schreibe ich einen Song wie "Without you", will ich Hip Hop Elemente verwenden, dann entsteht ein Song wie "Seelenlos". Zur Zeit arbeite ich am ersten Album des neuen Projektes mit einer Sopranistin zusammen, deshalb passt dein Beispiel sehr gut. Es handelt sich dabei und dunkle elektronische Musik mit teilweise opernhaftem Gesang. Darüber wird man in den nächsten Monaten noch zu hören bekommen.

Welche Ziele, Träume, Wünsche habt ihr für eure Zukunft?
Martin: Es wäre schön wenn unsere nächsten musikalischen Vorhaben alle so funktionieren wie wir uns das vorstellen, dann wäre ich rundum zufrieden.

Gäbe es viel was Du tun würdest, wäre morgen Weltuntergang?
Martin: Nein. Man lebt doch ständig in Ungewissheit und wenn es einmal zu ende ist, dann ist es eben so und wahrscheinlich ist es dann auch gut so. Alles was ich jetzt nicht tue, würde ich auch nicht einen Tag vor Weltuntergang machen.

Glaubst Du an Gott?
Martin: Ich glaube an Objektivität die uns zwingt zu romantischen Vorstellungen.

Wird es demnächst eine neue CD von Mantus oder Black Heaven geben?
Martin: Mit Mantus ist für die Zukunft viel geplant und wir arbeiten gerade an der Umsetzung. 2004 darf man mit etwas Neuem rechnen. Zudem wird in naher Zukunft das Debutalbum von "AURA", so heißt das neue Projekt, fertiggestellt.

Verurteilst Du Leute, die sich Musik aus dem Netz saugen?
Martin: Ich habe mp3s eigentlich immer für eine gute Sache gehalten. Man kann in verschiedene Sachen reinhören und sich informieren und man kommt vielleicht an gänzlich unbekannte Sachen heran, die es gar nicht mehr zu kaufen gibt. Man kann sich Songs herunterladen und wenn einem was gefällt, könnte man sich die CD kaufen. Leider ist das nur eine schöne Idee und der Missbrauch ist mittlerweile ins Unermessliche gestiegen. Die Leute können mit so einer Verantwortung nicht umgehen und daher ist leider die einzige Lösung ein strenges gesetzliches Vorgehen. Auch das neue Gesetz zum Urheberrecht wird nicht allzu viel bewegen und höchstens die Diskussion etwas verschärfen. Es wächst eine Generation heran, die es normal und richtig findet, sich Software, Musik und Filme kostenlos aus dem Netz zu saugen und es wird immer schwieriger werden, sie vom Gegenteil zu überzeugen. Ich arbeite sehr hart für meine Musik und ich möchte von den Fans für das bezahlt werden was ich leiste.

Würdet ihr gern von eurer Musik leben können? (Wenn jetzt hier jemand denkt: blöde Frage; so muss ich sagen, dass von Eigenkreativität leben wollen, auch ein gewisses Risiko durch Kreativitätsverlust entsteht ;) )
Martin: Zur Zeit lebe ich von meiner Selbständigkeit als Musiker. Es ist eine verdammt harte Zeit um diesen Traum der Selbständigkeit zu leben aber ich versuche es trotzdem. Und vielleicht kommen Industrie und Konsumenten zu einigen Einsichten, die das Überleben etwas leichter gestalten können. Wenn dieser Traum zerplatzt, wird sicher auch ein Teil meiner Musik dabei draufgehen.

Nächstes Jahr wieder M'era Luna? ;)
Martin: Ich denke schon. Vielleicht trifft man sich ja