Was würdest Du als Deine "größte"
Inspirationsquelle bezeichnen?
Martin:
Heutzutage finde ich die größte Inspiration in meiner eigenen
Gedankenwelt und es ist mir möglich Ideen und Gefühle frei zu
erschaffen. Oft bedarf es aber eines Anstoßes von außen um mich
auf die entsprechende Wellenlänge zu begeben. Inspiration ist
etwas wundervolles, denn sie weckt Dinge in mir die dann völlig
neu entstehen. Die größte Quelle finde ich in Sachen die
gleichermaßen traurig und schön sind oder so dargestellt werden
und das können Filme oder Geschichten sein und natürlich auch
Musik. Wenn etwas tragisch ist, berührt es mich und hat damit
viel Wahrheit in sich. Meine Musik wird nie leicht und locker
daherkommen, weil sie mir dann nichts mehr bedeuten würde.
Wie seit ihr in diese Szene gekommen? Bist
Du der Meinung, dass man viele negative Erfahrungen gemacht
haben muss, um hier "zu landen"?
Martin:
Bei mir war es tatsächlich so, dass ich am Tiefpunkt meines
Lebens angelangt war, als ich mit der Szene in Berührung kam.
Allerdings war die Szene an sich für mich etwas neues, aber
nicht die Einstellung die sich dahinter verbirgt. Ich komme vom
Land und bis zur nächstgrößeren Stadt fuhr man mindestens eine
Stunde. Mit Gothic und allem was dazu gehört hatte niemand etwas
am Hut. Seit meinem vierzehnten Lebensjahr trage ich bevorzugt
schwarz und bin ein sehr melancholischer Mensch. Ich verfolgte
damals aber eher die Ideale von Jim Morisson oder den Beatniks
und suchte nach Exzess und Revolution. Auch heute kann ich mit
Sachen wie Vampirismus, Fetisch oder Sado Maso, was ja auch mit
der Szene in Verbindung steht, nicht allzu viel anfangen denn
meine Wurzeln liegen woanders.
Achtet ihr bei den Texten manchmal darauf,
dass es sich reimt und nicht mehr auf das eigentliche Fühlen?
Martin:
Wenn ich Texte schreibe bin ich immer sehr auf Ästhetik bedacht.
Gedichte oder Songtexte können kleine Kunstwerke sein, wenn man
seine ganze Seele hineinlegt. Heutzutage findet man in der
Musiklandschaft viel Oberflächlichkeit ohne Tiefgang und dem
möchte ich entgegenwirken. Ich lege wert auf einen
künstlerischen Stil und den habe ich in Reim und Versmaß
gefunden. Die Herausforderung ist dann, seine Gefühle in Reime
zu verpacken. In der heutigen Zeit ist es schwer noch gute Lyrik
zu finden, denn jeder Hanswurst hält sich schon für einen
Dichter nur weil er seine Gedanken auf Papier schreibt.
Habt ihr manchmal daran gedacht,
eure Musikprojekte aufzugeben?
Martin: Nein, daran habe ich noch nie gedacht.
Was bewunderst du an anderen Menschen?
Martin: Also im Allgemeinen gesprochen
gibt es nicht viel was ich an anderen Menschen bewundere. Wenn
einzelne Personen oder Gruppen etwas produktives vollbringen was
mich fasziniert, dann kann man von Bewunderung bei mir sprechen.
Auch gibt es Menschen die eine besondere Aura mit sich tragen
und alle anderen in ihren Bann ziehen können, das ist auch
bewundernswert.
Drehst Du manchmal Filme im Kopf, wenn Du
Musik hörst? (Das ist übrigens was, was sehr viele Menschen
machen :) )
Martin: Die Filme drehe ich eher im Kopf
wenn ich meine eigene Lyrik und die Musik schreibe und daran
arbeite. Wenn ich Musik konsumiere, ist das bei mir reine
Gefühlsbasis und ich versetze mich in die entsprechende
Stimmung. Ich mag es sehr gerne, von außen inspiriert zu werden
und so haben zum Beispiel Filmszenen mit der entsprechenden
Filmmusik bei mir unheimlich starke Wirkung.
Hört ihr eure eigene Musik oft?
Martin:
Ich sitze tagtäglich an meiner Musik und so ist das oft das
einzige was ich am Tag höre. Die fertig produzierten Alben höre
ich mir dagegen weniger an, oft nur um zu vergleichen oder um
mich zu erinnern. Ich glaube Thalia hört sich unsere Alben öfter
an, aber das liegt wahrscheinlich auch daran, weil sie die Songs
nicht geschrieben hat und so etwas aufgeschlossener "zuhören"
kann.
Würdest Du gerne mal einen musikalischen
Stilbruch machen? (ich komme da gerade drauf, da ich heut las,
dass die letzte CD von Rammstein, demnächst von einer
Sopranistin in einem Klassikkonzert live vertont wird...)
Martin: Zur Zeit habe ich drei
verschiedene Projekte woran ich arbeite und ich habe sie
begonnen, um halt in keinster Weise eingeschränkt zu sein und
mich musikalisch ausleben zu können. Mich interessiert
elektronische und rockige Musik gleichermaßen und ich bin
ziemlich offen gegenüber fremden Einflüssen. Wenn ich technoide
oder trancige Elemente einbauen will, schreibe ich einen Song
wie "Without you", will ich Hip Hop Elemente verwenden, dann
entsteht ein Song wie "Seelenlos". Zur Zeit arbeite ich am
ersten Album des neuen Projektes mit einer Sopranistin zusammen,
deshalb passt dein Beispiel sehr gut. Es handelt sich dabei und
dunkle elektronische Musik mit teilweise opernhaftem Gesang.
Darüber wird man in den nächsten Monaten noch zu hören bekommen.
Welche Ziele, Träume, Wünsche habt ihr für
eure Zukunft?
Martin: Es wäre schön wenn unsere nächsten
musikalischen Vorhaben alle so funktionieren wie wir uns das
vorstellen, dann wäre ich rundum zufrieden.
Gäbe es viel was Du tun würdest, wäre
morgen Weltuntergang?
Martin: Nein. Man lebt doch ständig in
Ungewissheit und wenn es einmal zu ende ist, dann ist es eben so
und wahrscheinlich ist es dann auch gut so. Alles was ich jetzt
nicht tue, würde ich auch nicht einen Tag vor Weltuntergang
machen.
Glaubst Du an Gott?
Martin:
Ich glaube an Objektivität die uns
zwingt zu romantischen Vorstellungen.
Wird es demnächst eine neue CD von Mantus
oder Black Heaven geben?
Martin:
Mit Mantus ist für die Zukunft viel
geplant und wir arbeiten gerade an der Umsetzung. 2004 darf man
mit etwas Neuem rechnen. Zudem wird in naher Zukunft das
Debutalbum von "AURA", so heißt das neue Projekt, fertiggestellt.
Verurteilst Du Leute, die sich Musik aus
dem Netz saugen?
Martin:
Ich habe mp3s eigentlich immer für
eine gute Sache gehalten. Man kann in verschiedene Sachen
reinhören und sich informieren und man kommt vielleicht an
gänzlich unbekannte Sachen heran, die es gar nicht mehr zu
kaufen gibt. Man kann sich Songs herunterladen und wenn einem
was gefällt, könnte man sich die CD kaufen. Leider ist das nur
eine schöne Idee und der Missbrauch ist mittlerweile ins
Unermessliche gestiegen. Die Leute können mit so einer
Verantwortung nicht umgehen und daher ist leider die einzige
Lösung ein strenges gesetzliches Vorgehen. Auch das neue Gesetz
zum Urheberrecht wird nicht allzu viel bewegen und höchstens die
Diskussion etwas verschärfen. Es wächst eine Generation heran,
die es normal und richtig findet, sich Software, Musik und Filme
kostenlos aus dem Netz zu saugen und es wird immer schwieriger
werden, sie vom Gegenteil zu überzeugen. Ich arbeite sehr hart
für meine Musik und ich möchte von den Fans für das bezahlt
werden was ich leiste.
Würdet ihr gern von eurer Musik leben
können? (Wenn jetzt hier jemand denkt: blöde Frage; so muss ich
sagen, dass von Eigenkreativität leben wollen, auch ein gewisses
Risiko durch Kreativitätsverlust entsteht ;) )
Martin:
Zur Zeit lebe ich von meiner
Selbständigkeit als Musiker. Es ist eine verdammt harte Zeit um
diesen Traum der Selbständigkeit zu leben aber ich versuche es
trotzdem. Und vielleicht kommen Industrie und Konsumenten zu
einigen Einsichten, die das Überleben etwas leichter gestalten
können. Wenn dieser Traum zerplatzt, wird sicher auch ein Teil
meiner Musik dabei draufgehen.
Nächstes Jahr wieder M'era Luna? ;)
Martin:
Ich denke schon. Vielleicht trifft
man sich ja