Gleich meine erste Frage euer drittes
Album betreffend: Wo steht Mantus jetzt? Wie haben sich Mantus
entwickelt und wo ist beim Schreiben der Songs dein gedanklicher
Marsch durch die Welt?
Martin:
Hi Stephan. Mantus ist
mir nach wie vor sehr wichtig und so verbringe ich einen
Großteil meines Lebens mit komponieren und der dazugehörigen
Lyrik. In der Musik kann ich meine eigene Welt erschaffen mit
allen Überzeugungen und Absurditäten die ich idealisiere. Die
Musik ist ein Teil von mir und durch sie spüre ich lebhaft das
ich existiere. Ich versuche die Wirklichkeit durch eine erdachte
Realität zu ergänzen und jede Note und jedes Wort wird dadurch
zu persönlicher Wahrheit. Ich lade die Menschen ein, in mein
Reich vorzudringen um ihnen eine Welt von grenzenlosem Leid und
Liebe näher zu bringen und es liegt an ihnen ob sie bleiben oder
verständnislos wieder gehen. Auf "Fremde Welten" haben wir uns
wie auf jedem neuen Album weiterentwickelt, textlich wie
musikalisch. Themen wie Liebe, Existenzangst, Schmerz und Tod
werden wohl immer eine wichtige Rolle bei Mantus spielen, jedoch
versuche ich auch, mich der Welt da draußen nicht zu
verschließen um ihr zu sagen wie ich über sie denke, und so
haben diesmal auch Themen wie Krieg, Fremdenfeindlichkeit und
Hass Einzug in die Musik genommen. Musikalisch geht es ein
bisschen in die Richtung klassischer Gothic Rock, aber mit der
gewohnten Romantik. Gitarren, Schlagzeug und Synthiesounds sind
die wichtigsten Elemente in meiner Musik, gepaart mit dem
Wechselgesang von Thalia und mir. Sicherlich sind wir auch etwas
eingängiger geworden. Es kann aber durchaus sein, dass auf dem
nächsten Album die Kompositionen wieder anders ausfallen. Die
Musik entsteht bei mir aus dem Moment heraus, Melodien kommen
beim experimentieren mir Arrangements und dann hab ich meistens
schon den Text im Kopf. Ich bin immer wieder selbst überrascht,
was ich am Ende der Produktion zu hören bekomme.
Was sagst du zu den Vorwürfen, dass Mantus
verkitschten Gothick ohne Abwechslung machen?
Martin: Das ist
mal wieder eine der üblichen Fragen und eigentlich gebe ich
darauf immer die gleichen Antworten, aber allmählich hab ich
kein Verständnis mehr für diesen Vorwurf. Ich will es mal so
sagen, wenn es um die Texte geht, hat derjenige entweder keine
Ahnung von anspruchsvollem lyrischen Ausdruck, überzeugter
Romantik oder gotischer Lebenskultur, oder er hat sich mit den
Texten nicht wirklich beschäftigt, hat deshalb keinen Bezug dazu
und kann sie nicht verstehen. Ich lass es nicht mehr gelten,
mich in eine Schublade stecken zu lassen, nur weil ich in
deutscher Sprache texte. Wer sich nicht auf die Texte einlassen
will, der soll sich eine Mantus Platte erst gar nicht anhören,
und wer mit besserwisserischen Vorwürfen daherkommt, verdient
höchstens meine Verachtung, mehr aber auch nicht. Es gibt Leute
die ihre Ideale versuchen auszuleben und viele Leute mit ihrer
verstocken Nüchternheit wissen gar nicht was ihnen im Leben
alles entgeht. Musikalisch gesehen ist es sicherlich richtig,
dass wir keine allzu komplizieren Kompositionen verwenden. Das
ist nun mal mein Stil und ich lege mehr Bedeutung auf die
Melodien und den Gesang. Abwechslung ist zwischen den drei Alben
dennoch zu spüren. Ich versuche nur, meinem Stil treu zu
bleiben, weil ich es so am besten kann und damit selbst
zufrieden bin. Außerdem ist das Feedback was ich von den Leuten
bekomme fast durchweg positiv, also scheine ich ja wohl auf dem
richtigen Weg zu sein.
Was willst du bei dem Hörer bewirken?
Martin: Mit meiner
Musik versuche ich, den Hörern eine Alternative zu bieten zur
grauen und verständnislosen Wirklichkeit, die uns da draußen
jeden Tag erwartet. Ich versuche die Leidenschaft in jeglicher
Hinsicht wieder zu erwecken, die in der Realität immer mehr
verloren geht. Oberflächlichkeit und Schnelllebigkeit sind die
Markenzeichen unserer Zeit, aber es geht auch alles viel
bedachter und bedeutungsschwerer als uns vorgegaukelt wird. Die
Welt von Mantus ist romantisch und das Leid des einzelnen steht
im Mittelpunkt. Auch ist sie überaus traurig, denn das ist das
Gefühl durch welches ich am stärksten spüre dass ich lebe und
die Melancholie gibt mir viel an Kraft zurück. Für mich ist die
Welt traurig und doch auch wunderschön...