Mantus

 
Weg ins Paradies



Zillo

(07/2003)

Mit dem aktuellen Album "Weg ins Paradies" bereiten Multiinstrumentalist/Texter/Sänger Martin Schindler und Sängerin Thalia den Boden für verträumte dunkle Seelen, die einerseits vom Weltschmerz gepackt sind, andererseits auch die Hoffnung nach erfüllter Liebe nicht aufgegeben haben. Gothic-Rock und Dark Wave gehen auf "Weg ins Paradies" eine harmonische Beziehung ein, die größtenteils auf balladesken Wolken segelnd und von poetischen Texten begleitet, in Traumreichen ihre Erfüllung findet.

 Gefragt, ob der Albumtitel "Weg ins Paradies" auf eine Unzufriedenheit mit dem Leben auf dieser Erde schließen lässt, meint Martin; "Ich schreibe meist traurige Songs und verpacke sie in ästhetische Musik. Die Melancholie kann ein sehr erhabenes Gefühl sein, wenn man eine Möglichkeit findet, sie zu verarbeiten. Ich versuche Schönheit in meine Musik mit einzubringen, und wenn ich das tue, kommt gleichzeitig ein wenig Hoffnung hinzu und die Gesamtstimmung verändert sich. Sicher bin ich kein zufriedener Mensch, und das spiegelt sich in den meisten Songs wider, doch ich vergrabe mich nicht in Depression und suche einen Weg nach draußen, und das ist die Idee des Albumtitels. Es steckt kein wirkliches Konzept dahinter, sondern es ist ein abstrakter Titel, der sich auf die Gesamtheit der Titel auf dem Album bezieht. Wichtig ist, dass es sich hier um den Weg handelt, und nicht um das Ziel."

In den Texten blitzt auf der einen Seite unterschwellig eine nihilistische Weltanschauung, gar eine Art Todessehnsucht durch, auf der anderen Seite aber auch Hoffnung nach erfüllter Liebe. Ist das nicht ein Widerspruch in sich? Wie klärt Martin diesen Widerspruch auf?

"Ich glaube, die Psyche eines Menschen ist sehr komplex und besteht größtenteils aus Widersprüchen, und vielleicht muss man nicht immer einen Grund für alles haben", meint er. Sagt weiter: "Ich kann mich sehr schlecht mit Kompromissen abfinden, und oft gibt es für mich nur schwarz oder weiß. Es ist sehr schwer, an nichts zu glauben und nichts zu hoffen, deshalb denke ich, wenn man genügend Willensanstrengungen aufbringt, werden viele Dinge zu Realität, die dann auch eine Berechtigung haben, und so glaube ich an die Liebe und an das Leben. Allerdings gibt es nichts Absolutes in dieser Welt, deshalb schwanke ich oft in meiner Weltanschauung."

Auffällig an "Weg ins Paradies" ist die hohe Anzahle balladesker Stücke. Gibt es einen besonderen Grund dafür, dass das Album sehr ruhig ausgefallen ist?

"Es ist zwar beabsichtigt, hat sich zum Teil aber auch so ergeben. Für ein Album entstehen manchmal zwanzig oder fünfundzwanzig neue Songs. Die Sachen, die mir auch nach längerer Zeit noch gefallen, finden dann meist den Weg auf das Album. Als ich mit dem Songwriting anfing, wollte ich etwas weg vom rockigen Sound der 'Fremden Welten' und auch wieder modernere Sounds mit einbringen. Getragene, schwermütige Stücke liegen mir am besten, und auch die Lyrics kann ich dann am besten einbringen. Mantus ist halt generell keine Musik, die man bevorzugt in Clubs hört, sondern eher was für stille und nachdenkliche Momente", liefert Martin die Erklärung. Wie passend dazu der Spruch von der Mantus-Homepage: "...wo verträumte Lyrik die Sinne in die Ferne schweifen lässt."

Frank Rummeleit - Zillo Musikmagazin