Interview von Walls of Fire

 

Nicki mit Martin Schindler, 24. März 2002   

Was soll man über fremde Welten wissen?
Martin:
Meine Musik und die Texte sind sehr persönlich und teils sehr introvertiert. Ich denke, daß die Songs in verschiedenen Richtungen interpretiert werden und das ist auch gut so, solange man sich noch an den Worten orientiert. Ich erzähle hier aus meinen persönlichen Welten die in meiner Seele verborgen sind und nun zum Teil an die Oberfläche kommen. Der Albumtitel "Fremde Welten" ist eine zweischneidige Sache, zum einen verarbeite ich die Wirklichkeit die von außen auf mich einströmt, mit der ich oft nicht viel anfangen kann, die ich aber trotzdem versuche zu reflektieren. Ich versuche mich der Gesellschaft, den Menschen und den Geschehnissen zu stellen und beziehe sie in meinen Songs mit ein. Zum anderen erzähle ich aber aus meinem Seelenleben, von meinen Gefühlen und Gedanken die mich Tag für Tag beschäftigen und erschaffe so meine eigene kleine Welt, die vielen sicherlich fremd erscheinen wird, aber mir am vertrautesten ist. Jedes Lied auf dem Album handelt im Prinzip von diesem Zwiespalt. Das ganze ist eine geschlossene Sache, aber jeder Song kann auch für sich alleine stehen. In musikalischer Hinsicht habe ich versucht, den Weg, den ich mit "Abschied" angefangen habe, fortzusetzen, bzw. die entsprechenden Bereiche noch weiter auszubauen. Das Album ist sehr gitarrenlastig, die Strukturen sind wie immer von Synthies untermalt und das Schlagzeug ist rockig und etwas dreckig. Die Lyrics sind natürlich ein Schwerpunkt bei Mantus und der Wechselgesang von mir und Thalia zieht sich durch die ganze CD. Musikalisch wie auch textlich sind wir bei der dunklen Romantik geblieben, denn das entspricht am ehesten meinem Wesen und so kann ich mich am besten ausdrücken. An der Bassgitarre habe ich mir durch einen Gastmusiker Verstärkung geholt, um noch deutlichere Akzente in die Strukturen einzubauen, und in dem Track "Gemeinsam in den Tod" ist eine Gastsängerin zu hören. Diesmal ist mit "Wolfsmensch" auch eine Coverversion vertreten - der Song ist im Original von den Fliehenden Stürmen - und sicherlich fällt er etwas aus dem Kontext, aber der Song bedeutet mir persönlich sehr viel und deshalb wollte ich ihn unbedingt auf dem Album haben, und irgendwie passt Musik und Text auch zu Mantus. Das Introstück "Dies Irae" ist sicherlich auch eher untypisch für uns, aber es war mal ein Experiment, das, so glaube ich, gelungen ist. Das Stück entstand in Anlehnung an das Requiem von Verdi und ich mag es einfach, wenn sich Klassik mit Rockmusik verbindet.

Wo liegt das Gemeinsame zwischen einem Musiker aus Köln, dem etruskischen Gott der Unterwelt und den fremden Welten?
Martin: In diesem Album gibt es eigentlich nur Gemeinsamkeiten. Es ist das erste Album, das ich alleine produziert und nach meinen Wünschen gestalten habe. Es hat schon viele Vorteile im eigenen kleinen Studio aufzunehmen, denn ich hatte genügend Zeit alles zu durchdenken und auszubauen, ich stand unter keinerlei Druck und konnte mich an die Songs setzen wann ich es wollte. Die Musik, bis auf die Coverversion, und alle Texte stammen nach wie vor aus meiner Feder. Ich habe mich vielleicht verändert und entwickelt, aber die Musik von Mantus ist von hohem Wiedererkennungswert und ich denke ich bleibe auch mit dieser CD meinen Ursprüngen treu.

Sind die fremde Welten die dritte Kreatur des Mensches, des Musikers oder des etruskischen Gottes?
Martin: Ich verstehe mich und mein Schaffen als Einheit, auch wenn alles noch so widersprüchlich ist. Wer sich lange und intensiv mit Musik und Texten von Mantus befasst, der kennt mich sicherlich sehr gut.

Welche sind die einzelnen fremde Welten und was bringen sie unserer Welt?
Martin: Auf einzelne Texte gehe ich ungerne ein, denn zum einen denke ich, daß in den Texten alles wesentliche gesagt ist, zum anderen finde ich, wenn jemand einen Text auf bestimmte Art und Weise versteht, dann soll es auch so sein, egal wie meine Intention ursprünglich gewesen ist, denn ich finde dieser Spielraum gehört zur Romantik dazu.

Was ist das, was die fremde Welten mit dem Bild der Schwester des etruskischen Gottes verbindet?
Martin: Es geht nicht so sehr darum wer auf dem Cover abgebildet ist, sondern was dieses Bild beim Betrachter auslöst und was es bewirkt. Ich finde dieses Bild unglaublich schön, es drückt Verlorenheit und Sehnsucht aus, ist irgendwie farblos und doch intensiv. Ich könnte mir kein besseres Cover zu dieser CD vorstellen. Daß es Thalia ist, die dort zu sehen ist, passt natürlich noch besser, denn sie ist Teil des Projekts und so wird die Sache noch um einiges persönlicher. Sie ist meine Schwester und somit auch Teil der fremden Welten die ich durchlebe...

Nach der Liebe und dem Tod kam der Abschied, nachdem die fremde Welten geboren wurden... Wieso?
Martin: Nicht alles bei Mantus hat einen bestimmten Zusammenhang. Jedes Album steht für sich alleine und die Titel beziehen sich auf das jeweilige Album.

Was findet man im schwarzen Himmel?
Martin: Eine Mixtur aus Freiheit und Angst... Was verbindet den schwarzen Himmel mit dem etruskischen Gott? Einerseits recht viel, denn es sind schließlich beides meine Projekte und ich schreibe Musik und Texte, also finden sich Themen und Motive in beiden Projekten wieder, andererseits ist Black Heaven alleine schon von der Musik sehr unterschiedlich zu Mantus. Ich denke die beiden Projekte ergänzen einander.

Wie lebt ein Gott der Unterwelt in Köln?
Martin: Eigentlich bin ich nicht gerade ein Stadtmensch und lebe eher zurückgezogen, aber es gibt auch viele Vorteile in der Stadt. In Köln ist die Szene recht klein und es gibt wenig gute Veranstaltungen in dieser Richtung. Manchmal denke ich mir, ich sollte wieder zurück aufs Land gehen, denn ich vermisse schon die langen Spaziergänge durch Wälder und Wiesen und abends die Sonne am Horizont untergehen zu sehen, aber ich schaffe den Absprung einfach nicht. Außerdem bin ich gerade in eine absolute Traumwohnung gezogen und da halt ich es erst mal ein paar Jahre aus...

Kann ein Gott der Unterwelt romantisch sein?
Martin: Also das denke ich doch...

Gibt es viel Trauer in der Unterwelt?
Martin: Trauer in direktem Sinne gibt es vielleicht nicht so viel, aber ich bin ein melancholischer Mensch und mag die schwermütigen Stunden und die Sehnsucht nach etwas Unerreichbarem. Aber von Schicksalsschlägen bin auch ich nicht verschont geblieben und sie haben Einfluss auf mein Leben genommen. Trotzdem geht es immer weiter und irgendwie passt schon alles zusammen. Man sollte sich nicht immer nur beschweren, sondern die Zeit auch genießen können...

Ist Gothic die Musik der Götter?
Martin: Gothic ist auf jeden Fall die Musik meines Gottes.

Abschied...
Martin: Noch lange nicht...