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Orkus
(11/2001) |
Manchmal komponiert jemand einen Song.
Dann noch einen und noch einen. Eine Band oder ein
Solo-Projekt entwickelt sich. Irgendwann wird meist ein
Album aufgenommen oder auch zwei. Was aber, wenn jetzt
aus dem kreativen Songwriter auch Ideen heraussprudeln,
die nicht zum bisherigen Konzept passen? Nun, entweder
verschwinden sie in der Schublade, im Papierkorb, im
Kaminfeuer, oder aber ein Side-Projekt entsteht! Auch
Black Heaven ist ein solches, kommt darin doch die
elektronische Seite von Martin Schindler zum Ausdruck,
der als Mantus bereits zwei Langspieler veröffentlicht
hat. Unsere Neugier war geweckt. |
Orkus:
Martin, wie Mantus besteht auch Black Heaven aus dir und
Thalia?..
Martin:
Ich habe
eigentlich vor, das Projekt Black Heaven etwas offener zu
gestalten. Es könnte also passieren, dass auf kommenden
Veröffentlichungen verschiedene Musiker und Lyriker zu hören
sind. Auf der CD Chapter One hat Thalia einen großen
Teil des Gesangs übernommen, weil ich es so wollte und weil
es sich so ergeben hat. Und ich denke zusammen sind wir ein
gutes Team. Sie hat viel Gefühl durch ihre Stimme in die
Songs gebracht. Außerdem ist noch Thomas Elbern im Refrain
des Stückes Drown in my dreams zu hören
.
Orkus:
Warum nun - nach zwei Mantus-Werken - gleich ein weiteres
Projekt, wenn die gleichen Leute dahinter stecken? Engst du
die Musik von Mantus nicht von vornherein ein, wenn du die
elektronischeren, cluborientierteren Titel abkoppelst?
Martin: Ich möchte Mantus
und Black Heaven bewusst trennen. Das eine für die
elektronischen Klänge, das andere für gitarrenlastige
Gothic-Musik. Ich finde, die Stimmungen der einzelnen Lieder
würden viel zu sehr durcheinandergewürfelt, wenn man erst
einen rockigen, schwermütigen Song bringt, und dann gleich
einen Elektro-Kracher mit durchgehenden Beat
hinterherschiebt. Die beiden Musikstile sind einfach zu
verschieden und haben ihre Gemeinsamkeit nur durch die
Texte, die aus meiner Feder stammen. Ich denke auch nicht,
das ich die Musik von Mantus einenge. Auf der nächsten CD
werden tanzbare Stücke wie auch langsame Balladen zu finden
sein, nur sind sie mit anderen Instrumenten gemacht.
Orkus:
Martin, ich zitiere dich ungern aus unserem letzten
Mantus-Interview, als es um den - im Vergleich um Debutalbum
- härteren, gitarrenorientierten Sound ging. Du sagtest:
"Mit diesem Sound bin ich eigentlich dahin zurückgekehrt,
wie ich immer schon Musik machen wollte." Hattest Du die
elektronische Seite trotzdem "schon immer" in dir? Und warum
kommt sie gerade jetzt zum Vorschein?
Martin:
Ich
interessiere mich noch nicht allzu lange für diese Art von
Musik. Vor einigen Jahren stand ich der Elektronik sogar mit
tiefer Abneigung gegenüber. Das änderte sich, als ich selbst
mit Synthies und Samplern herumexperimentierte und Sounds
herauskamen, die mir durchaus gefielen, weil sie
gleichermaßen düster und tiefgründig waren. Anfangs störte
mich der durchgehende Beat der Bassdrum vieler Stücke. Heute
finde ich es durchaus passend, vorausgesetzt, man will
tanzbare Musik schreiben und es wird nicht zu oberflächlich.
Ich lernte durch die Musik von vielen Szene-Combos gute
elektronische Musik und deren Möglichkeiten und Aussagekraft
kennen, was dazu führte, dass ich privat gleichermaßen Rock
wie Elektronik höre. Auch ist es so, dass es einfach mal
Spaß macht, einen Beat einzustellen und am Synthie zu
experimentieren und an Knöpfen herumzudrehen.
Orkus:
Entstehen die Alben von Mantus und Black Heaven zeitlich
parallel, eben so, wie die Sachen, die du schreibst, besser
zu einem der beiden Projekte passen, oder musst du immer
erst eines fertig haben, bevor du den Kopf für das andere
frei hast.
Martin:
Das kann ich nach so
kurzer Zeit des Bestehens von Black Heaven gar nicht recht
beantworten. Im Frühjahr habe ich beschlossen, ein
elektronisches Projekt auf die Beine zu stellen, weil ich
musikalisch mal etwas anderes machen wollte. Und in den
darauffolgenden Wochen und Monaten habe ich dann die Songs
zu Black Heaven geschrieben. Also, ich würde eher sagen,
dass eines nach dem anderen entsteht, aber ich habe absolute
Freiheit und stehe unter keinem Zwang, dass ich etwas
bestimmtes nun unbedingt zu Ende führen müsste. Ich glaube,
es liegt viel daran, welche Musik ich gerade gern höre und
wie meine persönliche Grundstimmung ist. Im Moment ziehe ich
mir fast ausschließlich Gothic-Metal und rockigen Wave rein,
und arbeite an den nächsten Mantus-Songs. In Zukunft wird
sich dann auch zeigen, ob ich mit diesen zwei Projekten
schon ausgelastet bin, denn eigentlich würde ich gerne noch
mehr und viel verschiedenes machen, wenn es die Zeit
zulässt. Ich habe so viele Ideen und Vorstellungen von
Lieder, aber nicht alles passt immer zu Mantus oder Black
Heaven.
Orkus:
Thalia, wie stehst
Du denn zur Musik von Black Heaven? Bist Du mehr ein Mantus-
oder mehr ein Black Heaven-Mensch?
Thalia:
Also wenn
ich mich entscheiden müsste, wäre ich wohl eher ein "Mantus-Mensch",
da ich gitarrenlastige Musik nun mal sehr gerne mag.
Allerdings ist die Musik, die ich höre, auch sehr
vielseitig, und es gibt viele gute Electro-Sachen. Bei dem
Black Heaven-Projekt mitzumachen war für mich eine
Herausforderung, weil ich in dieser Richtung noch nie etwas
gemacht hatte und es sich ja schließlich deutlich von Mantus
unterscheidet. Aber es hat mir viel Spaß bereitet und mir
gezeigt, dass es wunderbar möglich ist, gute beziehungsweise
auch düstere Texte in elektronische Musik einzuarbeiten,
welchem ich früher etwas kritisch gegenüberstand.
Orkus:
Du
hast den Text zu The Apparition geschrieben. Können
wir in Zukunft häufiger Lyrics von dir erwarten?
Thalia:
Den Song hatte ich schon vor längerer zeit geschrieben,
und es fehlte noch ein Stück für das Album. Da auch Martin
der Ansicht war, dass es gut auf Chapter One passt,
haben wir es dazu genommen. Ob weiterhin Lyrics von mir
folgen, wird sich wohl zeigen.
Orkus:
Martin, warum meinst
du, das deine schwarzromantischen Texte und Tanzsounds
zusammenpassen? Benötigt Romantik nicht Raum; Verweilen zum
Hören, Erfassen, Empfinden?
Martin:
Ja,
das denke ich eigentlich auch. Romantik muss sich entfalten
können und braucht Atmosphäre, um sich auszubreiten. Ich
wollte aber dunkel-romantische Texte und eingängige Sounds
verbinden, denn ich möchte mit Black Heaven tanzbare
Traurigkeit übermitteln. Beim ersten Hören stehen sicher
nicht die Texte im Vordergrund, und man lässt sich einfach
fallen in die Musik. Aber irgendwann hat man die Rhytmik in
sich, man kennt den text, und dann entwickelt sich das volle
Verständnis für einen Black Heaven-Song. Die Traurigkeit
muss einen Menschen ja nicht zwangsläufig herunterziehen und
nachdenklich machen, sondern sie kann auch animieren. Man
muss sich seiner eigenen Stärken bewusst werden, denn die
Tragik vermittelt ein unglaublich intensives Lebensgefühl.
Vorraussetzung ist allerdings, dass man sich Musik und Text
gleichermaßen öffnet.
Orkus:
Der
Song Kein Ton ist ein Cover-Titel. Erzähl doch bitte
etwas zu diesem Lied.
Martin: In meiner Jugend habe
ich viele verschiedene Musikrichtungen durchgemacht, und
fast überall fühlte ich mich eine Zeit lang zu Hause. Eine
lange Periode nahm die deutsche Punk-Musik ein, und es gab
bestimmt Stücke, die ich immer wieder gehört habe und die
mir noch heute sehr präsent sind. Kein Ton stammt im
Original von der Band Dritte Wahl - und Musik und Text sind
so genial und intensiv, dass ich diesen Song unbedingt mal
interpretieren wollte. Ich habe mir vorgenommen, dass, wenn
ich Titel von anderen Bands covere, es nur relativ
unbekannte Lieder sein sollen, beziehungsweise Stücke, die
zu wenig Beachtung in dieser Welt fanden, denn ich möchte
nicht auf dieser modernen Welle mitschwimmen, dass man einen
großen Song covert und von heute auf morgen berühmt wird
durch Musik und Worte, die nicht von einem selber stammen.
Orkus:
Das
Album heißt Chapter One. Wie viele sollen es denn
werden?
Martin: Den Titel für die
Platte habe ich gewählt, weil sie kein Konzeptalbum ist,
eher eine Ansammlung von Stücken. Es bleibt offen, wie viele
Kapitel noch kommen werden. Mit dieser Durchnummerierung der
Alben will ich eben auf die Entwicklung hinweisen, die Black
Heaven mit Sicherheit durchlaufen wird, denn gerade auf dem
Gebiet der Elektronik bin ich noch immer ein Lernender und
weiß selbst noch nicht genau, was für Möglichkeiten mir dort
noch offen stehen.
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