Vielleicht kannst Du zu Anfang kurz die Entwicklung von Mantus
Revue passieren lassen, wie und aus welcher Motivation ist
Mantus entstanden, welche Entwicklungen hast Du durchgemacht,
und speziell, was hat sich seit dem Debutalbum verändert?
Martin:
Songs und Texte schreibe ich schon mein ganzes Leben lang.
Anfangs war die musikalische Ebene sehr breit, wobei aber immer
eine melancholische Grundstimmung in den Songs vorherrschte. Als
ich vor ein paar Jahren begann die ersten Mantus Stücke zu
schreiben, wollte ich diese Grundstimmung mit romantischen
Elementen verbinden. Die ersten Songs, die teilweise auch auf
der "Liebe und Tod" zu hören sind, bestechen hauptsächlich durch
einen Dark Wave Sound, durch verträumte Synthies die auf
dunkel-romantische Lyrics treffen. Da meine Wurzeln allerdings
in harten Gitarrenklängen liegen und ich auch die meisten Songs
auf der Gitarre schreibe, wollte ich zu meinen Ursprüngen aus
hart und gefühlvoll zurückkehren. Auf dem Debut ist dieses nur
angedeutet, was ich mit der "Abschied" dann verwirklicht habe
und von der musikalischen Seite ist die zweite CD durchaus
persönlicher und ehrlicher und entspricht eher meinem Wesen und
meiner Intention als das Debut. Ich habe mich mit dem aktuellen
Album bewusst in diese Richtung entwickelt und diese Richtung
wird im Grunde genommen erst mal beibehalten, wobei es jetzt an
der Zeit ist, die Details und die Feinheiten zur Geltung kommen
zu lassen.
Mit welchen Vorstellungen und Zielen bist
Du an die Arbeit für das neue Album gegangen? Setzt Du Dir klare
Ziele, wenn Du an einem Album arbeitest oder stellt das vielmehr
einen fortlaufenden Veränderungsprozess dar, den Du nicht
bewusst steuerst?
Martin: Wenn ich anfange neue
Songs zu schreiben, geschieht das erst mal spontan und ich lasse
meinen Ideen und Gefühlen freien Lauf. Bei "Abschied" haben sich
Musik und Texte von Anfang an ganz unbewusst in eine Richtung
entwickelt und ich wusste ziemlich schnell was ich wollte und
wie es nachher klingen sollte. So habe ich mich zu einem
Konzeptalbum entschieden, das sich mit dem Wahnsinn in all
seinen Variationen auseinandersetzt. Grundlage hierfür ist eine
Drogenvision die ich in meiner Jugend hatte und die mich seither
verfolgt. Diese Vision wird auf dem Cover der CD dargestellt und
alles in mir schrie danach, mich dieser Situation, den Ängsten
und Hoffnungen, zu stellen. Von der musikalischen Seite her
hatte ich mir einen bestimmten Sound vorgestellt der es
letztendlich auch geworden ist. Auf dem Debut habe ich
hauptsächlich mit Drumsamples, elektronischen Elementen,
Synthies und Computern gearbeitet. Kurz darauf habe ich einen
Song mit kompletter Band, also Schlagzeug, Gitarren, Bass und
Synthies aufgenommen und dabei habe ich gemerkt was es für ein
bedeutender Unterschied ist, die Musik wirklich "von Hand" zu
machen. Alles ist viel intensiver, ehrlicher und besser und so
habe ich beschlossen, diesen Stil auch auf ein ganzes Album
anzuwenden. Auf der "Abschied" findet sich romantischer Gothic
mit rockigen Elementen wie ich ihn immer machen wollte.
Wo liegen die Ursachen für Deine Musik,
was treibt Dich dazu, einen Song zu machen?
Martin: Ich finde die Welt in der
wir leben ist traurig und doch wunderschön. Ich möchte durch
meine Songs Gefühle hervorrufen die dieses Weltbild
widerspiegeln. Ich möchte Musik machen die von persönlicher
Wahrheit zeugt, welche die Tragweite des Lebens in sich birgt
und dadurch eine eigene Wirklichkeit erschafft. Mantus ist meine
eigene Welt in der ich sein kann wie ich sein will und zeigen
kann wer und was ich wirklich bin. Hinter der Musik und den
Texten steckt ein Lebensgefühl das ich vermitteln möchte und ich
weiß, da draußen gibt es viele die bereit sind sich darauf
einzulassen. Jedoch hat nicht jeder Song den ich mache einen
ideologischen oder philosophischen Hintergrund. Manchmal
entstehen die Lieder je nachdem wie ich mich gerade fühle und
was ich ausdrücken möchte. Z.B. wenn ich nachdenklich oder
traurig bin fällt es mir sehr leicht einen passenden Song zu
schreiben. Und wenn ich die Traurigkeit versuche auszudrücken,
gewinne ich durch die entstandenen Melodien wieder ein Gefühl
von Stärke.
Wie sieht es mit den Texten aus, wie
entstehen diese? Wie bringst Du Musik und Texte zusammen?
Entsteht dabei eines von beiden zuerst und der andere Teil wird
dann hinzugefügt?
Martin: Musik und Texte bilden bei Mantus
immer eine Einheit und sind untrennbar miteinander verwoben. In
der Praxis sieht es meist so aus, dass ich auf der Gitarre eine
Struktur entwickle, dann erstelle ich die ersten Arrangements
und dabei entstehen die ersten Melodien. Und mit den Melodien
versuche ich gleichzeitig eine erste Version des Textes zu
machen. Oft ist es der Refrain der als erstes entsteht und die
Strophe wird dazugesetzt. Eine endgültige Version des Textes
gibt es erst dann, wenn die Musik des Songs fertig ist.
Welchen musikalischen Einflüssen gibst Du
Dich hin? Gibt es deutliche Einflussquellen, auf die Du Dich
berufst?
Martin: Ich glaube, heutzutage habe ich keine
direkten Einflussquellen mehr und Mantus kann durch einen
eigenständigen Sound überzeugen. Sicher ist es so, dass
unbewusst einige Elemente von Musik anderer Künstler in mein
Songwriting mit einfließt, aber es ist von mir niemals gewollt,
irgendjemanden zu kopieren oder Ideen anderer Musiker auf Mantus
zu übertragen. Allerdings stelle ich mir manchmal vor, wenn ich
etwas wirklich gutes und neues höre, wie denn dieser Stil auf
Mantus angewendet klingen würde. Z.B. die orchestralen Elemente
bei "Mother Earth" von Within Temptation; und wenn ich mir
diesen neuen Sound vorstelle, entstehen dann wiederum neue Ideen
für den Mantussound.
Was beschäftigt Dich neben der Musik?
Lässt Du Dich für Deine Texte auch von Literatur beeinflussen?
Martin: Ich lese sehr gerne und so viel es mir
möglich ist. Auch sehe ich mir gerne gute Filme an. Ich mag fast
alles was tiefgründig und auf irgendeine Weise tragisch ist. Das
Buch was ich gerade lese, ist "Die lachende Maske" von Hugo; der
letzte Film den ich gesehen habe ist "Dancer in the dark" von
Lars von Trier. Direkten Einfluss auf die Texte haben diese
Sachen nur selten, jedoch ist Mantus, wie gesagt, eine
persönliche Weltanschauung und so fließt alles irgendwie zu
einem ganzen zusammen.
Du beschäftigst Dich neben Mantus auch mit
Nebenprojekten. Mit welcher Art von Musik beschäftigst Du Dich
dabei?
Martin: Es sind
verschiedene Nebenprojekte anvisiert, die mit der Zeit
sicherlich alle mal realisiert werden. Zum Teil sind es Projekte
die ich mit anderen Musikern anderer Bands machen will, zum Teil
sind es Soloprojekte. Das aktuellste ist im Moment das Projekt
"Black Heaven", das in diesen Wochen produziert werden soll. Es
handelt sich dabei um elektronische Gothic Musik, tanzbar und
nachdenklich, treibend und mystisch. Thalia wird bei diesem
Projekt auch als Sängerin eingesetzt. Es ist im Prinzip ein
völliger Gegensatz zu Mantus, aber gerade das hat mich gereizt,
mal etwas völlig anderes zu machen. Es ist ein guter Ausgleich
und ich bin gespannt wie dieses Projekt bei den Leuten ankommen
wird.
Haben diese Nebenprojekte letztendlich
auch einen Einfluss auf dass, was Du mit Mantus machst?
Martin: Nein, das
hat absolut keinen Einfluss auf Mantus. Ich will mit diesen
Projekten die Elektronik vom rockigen Gitarrensound trennen.
Also Mantus wird sich in die Richtung entwickeln, die ich mit
"Abschied" eingeschlagen habe.
Wie sehen Deine zukünftigen Pläne,
insbesondere mit Mantus aus? Planst Du irgendwelche
Liveaktivitäten?
Martin: Im
Augenblick kann ich nicht viel dazu sagen. Es wird sich zeigen,
welche Wege wir mit Mantus noch bestreiten werden...