Mantus sieht aus fast wie Dein eigenes
Soloprojekt, denn, soviel ich weiss, schreibst Du alleine die
Musik und Texte. Kannst Du mir erzählen, wie alles begonnen ist?
Martin:
Das Projekt Mantus gibt es schon drei oder vier Jahre lang und
bestand lange Zeit nur aus mir. Anfangs war die Musik sehr
vielseitig und experimentell, denn ich wollte mich nie auf einen
bestimmten Stil festlegen und so schöpfte ich aus den Bereichen
Elektro, Gothic, Wave und Industrial. Ich machte viele
Gedichtvertonungen und Soundlandschaften aber auch gradlinigere
Düsterrocksongs. Melancholisch und bedrückend war meine Musik
schon immer, denn so kann ich die Stimmungen meiner Seele am
besten ausdrücken. Vor einiger Zeit kam dann noch das
romantische Element dazu und ich beschloß eine Sängerin mit in
das Projekt hineinzunehmen, denn ich finde das die Romantik gut
durch das Wechselspiel von weiblichem und männlichem Gesang
auszudrücken ist. Musik und Texte werden allerdings
ausschließlich von mir verfaßt. Auf der neuen CD befinden sich
hauptsächlich harte und gefühlvolle Gothicsongs und ich denke,
daß wir uns in diese Richtung weiterentwickeln werden.
Wann und wie hast Du Thalia getroffen? Ist
das die erste Band, in der ihr beide spielt?
Martin: Thalia
ist, was nur wenige Leute bisher wissen, meine Schwester,
deshalb kenne ich sie eigentlich schon recht lange... Bevor der
Plattenvertrag zustande kam, war ich auf der Suche nach einer
geeigneten Sängerin und ich bekam auch ein paar Zuschriften,
aber die passende war nicht dabei. Thalia besuchte mich in Köln
und, eigentlich nur auf Spaß, nahmen wir einen Song mit ihrer
Stimme auf. Da dies wunderbar funktionierte und ihre Stimme sehr
gut zu meiner Musik passte, nahmen wir ein paar Wochen später
unser Demo "Wir warten auf den Tod" auf, welches ich auch an das
spätere Label TRISOL schickte. Weil alle von Thalias Stimme,
ihrem Ausdruck und ihrer Erscheinung sehr angetan waren,
beschloß ich, sie auch offiziell mit in das Projekt
hineinzunehmen und heute denke ich, es war die richtige
Entscheidung. Musik mache ich schon fast mein ganzes Leben lang.
Früher schrieb ich nur Songs auf der Gitarre, machte aber keine
fertigen Stücke daraus. In einer festen Band habe ich vorher
noch nie gespielt und Thalia auch nicht. Zur Zeit arbeite ich
aber an verschiedenen anderen Projekten die vielleicht auch noch
dieses Jahr erscheinen werden. Es handelt sich dabei um ein
Soloprojekt, welches in die Richtung Elektro Wave geht, und
Sachen die ich mit anderen Musikern mache.
Warum tretet ihr nie live auf?
Martin: Das mit
dem Live spielen ist bei uns so eine Sache. Vielleicht werden
wir irgendwann auftreten, aber das wird sich zu einem späteren
Zeitpunkt entscheiden. Momentan scheitert es schon daran, daß
wir keine eigene Band haben und ein Auftritt gar nicht möglich
wäre. Wenn wir live spielen, dann nur mit eigener Band, also
solange "Mantus" noch als Projekt läuft, wird es nichts mit dem
Auftritt.
Ihr habt "Abschied" im Nachtschichtstudios
mit Produzent Tobias Hahn aufgenommen. Bist Du mit seiner Arbeit
zufrieden?
Martin: Insgesamt bin ich
mit dem Ergebnis der Aufnahmen sehr zufrieden. Wir haben zwar
viel improvisiert und Dinge anders gemacht die eigentlich nicht
so geplant waren, aber im Ganzen ist ein sehr gut produziertes
Album herausgekommen. Ich hatte den Eindruck, daß Tobi mehr auf
elektronische Musik spezialisiert ist, aber er hat große
Erfahrung und ist sehr einfallsreich. Das Schlagzeug zum
Beispiel haben wir zwar mit einem Drummer als Gastmusiker
abgenommen, aber die Spuren später noch mit künstlichen Sounds
und Samples überlagert, so ist ein sehr eigener und dynamischer
Schlagzeugsound herausgekommen. Wir waren zwei Wochen im Studio
und seltsamerweise hat die Zeit sogar gereicht. Es gibt tausend
Möglichkeiten Sachen irgendwie klingen zu lassen und man muß
sich halt in der Zeit entscheiden, deshalb war viel Spontaneität
mit im Spiel. Wenn ein Sound gut klang haben wir uns halt dafür
entschieden, wenn wir neue Ideen für den Gesang hatten, haben
wir diese auch aufgenommen und so kamen einige Dinge zusammen,
die auf den Demos noch nicht zu hören waren, im Endeffekt aber
viel besser sind. Das Gefühl was ich mit "Abschied" rüberbringen
wollte, ist durch die Produktion auf jeden Fall unterstützt
worden.
"Abschied" ist wieder ein Konzeptalbum.
Warum findest Du Wahnsinn so begeisternd? Was für eine
Geschichte willst Du mit "Abschied" erzählen?
Martin: "Abschied" ist
wieder ein sehr persönliches Album. Ich erzähle meine Geschichte
und berichte von meinen Erfahrungen, von meinen Gedanken und
erlebten Gefühlen. Früher einmal fand ich den Wahnsinn
begeisternd und habe mich künstlich in Grenzsituationen
hineingebracht und mich in äußerste Bewußtseinszustände
hineinversetzt. Ich habe die Nähe zum Tod gesucht um das Leben
in vollen Zügen spüren zu können. Ich wollte keine Kontrolle und
die Augenblicke völliger Freiheit erleben. Mein Lebenswandel und
vor allem dieses extreme Denken hat mich dann tatsächlich an den
Rand des Wahnsinns getrieben, worunter ich auch heute noch
leide. Mein Ideal von damals ist fürchterliche Realität
geworden, so daß jeder Tag für mich einen neuen Kampf darstellt.
Der Titel "Abschied" umfaßt alles was ich jeden Tag aufs neue
erlebe. Themen wie Liebe, Tod, Wahnvorstellungen und Haß sind in
mir immer präsent und ich versuche damit umzugehen indem ich sie
verarbeite und annehme. Das Album erzählt keine Geschichte mit
Anfang und Schluß, sondern jeder Song könnte für sich alleine
stehen und ist doch Teil eines Ganzen, Teil meines persönlichen
Universums.
Sag mir bitte ein paar Worte über jeden
einzelnen Song im neuen Album!
Martin: Meine Texte in
einzelnen erkläre ich recht ungerne, denn meistens sind es sehr
abstrakte Texte und so soll das Verständnis und die Deutung dem
Hörer überlassen bleiben. Es ist das Gefühl das zählt, welches
aufkommt, wenn man die Texte unterlegt von der Musik hört.
Grundsätzlich meine ich alles genau so, wie ich es auch
niedergeschrieben habe; die Worte sollen allerdings bloß eine
Stimulanz für die Imagination des Hörers darstellen. Sicher, die
Texte sind in Deutsch und so ist das direkte Verständnis erstmal
beschränkt, aber pünklich zum Erscheinen von "Abschied" werden
die Texte als engliche Version auf unserer Homepage erscheinen.
Welche andere deutsche Gothic Bands
findest Du hörenswert?
Martin:
In der deutschen Szene gibt es viele gute Bands. Vor allem in
den letzten Jahren wurde die Nachfrage nach Gothic Musik immer
größer und so kamen sehr schnell sehr gute Bands ans Tageslicht.
Sicherlich ist auch einiges an Müll dabei, das auch gar nicht in
die Szene gehört und einfach auf dieser neuen Welle mitschwimmt,
aber insgesamt ist die Auswahl in Deutschland sehens- und
hörenswert, wie z.B. Garden of Delight, Endraum, Das Ich, Pilori,
Sopor Aeternus, In strict Confidence, Dreadful Shadows oder
Westwerk, um nur einige zu nennen.
Wie würdest Du "dunkle Romantik'
definieren und braucht man sie wirklich? Was ist mit Realität
dann?
Martin:
Ich denke, daß die "dunkle Romantik" ein
Lebensgefühl darstellt, das sich nur schwer mit Worten erklären
läßt. Entweder man fühlt sich in irgendweiner Art verbunden mit
der Melancholie und der Sehnsucht nach Dunkelheit, oder man hat
halt keinen Draht dazu und kann unseren Lebenswandel auch nicht
nachvollziehen. Ich persönlich kann mit der Realität nicht allzu
viel anfangen, denn sie steht oft im Widerspruch mit meiner
eigenen Wirklichkeit, die aus Träumen und romantischen Gedanken
besteht. In der Realität komme ich mir vor wie ein Fremder dem
man seine Heimat geraubt hat und den man nun an einem Ort der
Kälte und der Lügen zwanghaft vor sich hin leben läßt. Meine
Welt ist meine Vorstellung, der Wille nach totalem Leben und
schöpferischem Handeln, wo es noch Leidenschaft und Hingabe gibt
und die Liebe neben dem Tod existiert, während die Realität
immer oberflächlicher wird und die Menschen sich verlieren in
Nebensächlichkeiten. Meine Musik ist meine Insel, auf der ich
einsam und doch wohlbehütet die Abenddämmerung erwarte.